Aktuelle Nachrichten – International
20.01.2009
Gaza – UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat sich am Dienstag im Gazastreifen persönlich ein Bild von den Schäden nach der dreiwöchigen israelischen Militäroffensive verschafft. Ban ist der ranghöchste Vertreter der internationalen Gemeinschaft, der das Autonomiegebiet seit der Machtübernahme der Hamas im Juni 2007 besuchte. Zur Unterstützung der 1,4 Millionen Menschen im Gazastreifen sind nach Einschätzung der Vereinten Nationen mehrere hundert Millionen Dollar Soforthilfe nötig.
Unabhängige Beobachter vermuten nach ersten Schätzungen, dass während der Offensive im Gazastreifen Vermögen im Wert von fast zwei Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) zerstört wurde, darunter 4.100 Wohnhäuser, 1.500 Fabriken und Werkstätten, 20 Moscheen und zehn große Wasser- und Kanalisationsleitungen. Auch weite Teile des Stromnetzes sind beschädigt.
Der UN-Nothilfekoordinator John Holmes sagte am Montag, der Wiederaufbau der im Krieg zwischen Israel und der Hamas zerstörten Infrastruktur werde Milliarden kosten. Einige Bezirke seien völlig zerstört worden. In einige Straßen flössen Abwässer, nicht explodierte Munition sei ein riesiges Problem. 400.000 Menschen seien immer noch ohne Trinkwasser. „Es mag zwar noch unklar sein, wer in diesem Konflikt gewonnen hat, aber es ist klar, wer ihn verloren hat, und das ist die Bevölkerung des Gazastreifens und in einem geringeren Umfang auch die zivile Bevölkerung im Süden Israels“, sagte Holmes.
Ban besichtigte unter anderem drei Einrichtungen der Vereinten Nationen, die während der Offensive unter Beschuss geraten waren. Unter ihnen waren eine Schule und das UN-Hauptquartier in der Stadt Gaza. Ein Treffen des UN-Generalsekretärs mit Mitgliedern der radikalislamischen Organisation war nicht geplant. Anschließend wollte Ban die israelische Stadt Sderot besuchen, in der zahlreiche Raketen aus dem Gazastreifen eingeschlagen waren.
Beide Seiten hatten am Sonntag einseitig eine Waffenruhe verkündet. Am Dienstag wurde nach Angaben der israelischen Streitkräfte eine Granate auf Israel abgefeuert – die erste Verletzung der Waffenruhe. Nach Polizeiangaben landete das Projektil aber nicht in Israel. Die Regierung von Ministerpräsident Ehud Olmert hat angekündigt, die letzten Bodentruppen noch am Dienstag aus dem Gebiet abzuziehen. Die Hamas plante dort neun Siegeskundgebungen.
Für den Wiederaufbau wird Saudi-Arabien eine Milliarde Dollar spenden. Die EU deutete dagegen an, dass sie kein Geld geben will, solange im Gazastreifen die Hamas an der Macht ist. China rief die Hamas am Dienstag auf, „der Realität ins Auge zu sehen“ und sich im Interesse der Palästinenser dem Friedensprozess anzuschließen. Der Konflikt könne nicht durch Krieg gelöst werden, sagte der chinesische Nahost-Gesandte Sun Bigan.
Die arabischen Länder konnten sich nach Angaben des irakischen Außenministers Hoschjar Sebari nicht auf eine gemeinsame Stellungnahme zum Gazastreifen einigen. Arabische Außenminister hätten bei der Vorbereitung einer Abschlusserklärung zu ihrem Wirtschaftsgipfel in Kuwait bezüglich Gaza nicht zu einer gemeinsamen Haltung gefunden, sagte Sebari am Dienstag im staatlichen kuwaitischen Fernsehen. Die arabischen Staaten sind mit Blick auf Gaza in zwei Lager gespalten. Das eine unterstützt die in dem Gebiet regierende Hamas, das andere versucht, Druck auf die Hamas auszuüben. (AP)
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