Reiseinformationen – Banges Warten auf Schnee – Berrit Gr
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Banges Warten auf Schnee

Berrit Gr

06.12.2006

München – Grüne Hänge, wo immer man hinschaut: In den Wintersportorten der Alpen herrscht akuter Schneemangel. Und zwar fast überall, ob in Österreich, Italien, Deutschland oder einigen Skigebieten der Schweiz. Wo normalerweise zu dieser Jahreszeit Tausende Skifahrer die Pisten herunterschwingen, sonnen sich Murmeltiere im Fels. Im Tal hoffen Gastronomen, Hoteliers, Seilbahnbetreiber wie Tourismusmanager inbrünstig auf baldigen Schneefall.

Denn die sonst mit viel Tamtam zelebrierten Starts in die neue Saison mussten quer durch die Alpen abgesagt werden: Ski-Opening im österreichischen Lech/Zürs: Verschoben, Anfahren der Lifte in Kitzbühel: Verschoben. Auch das Slalom-TV-Spektakel von Stefan Raab in Sankt Anton: Verschoben. Die Liste der geplatzten Träume vom Vorweihnachts-Ski-Business 2006 ist lang. Die Seilbahnen stehen still, Lift- und Hotelpersonal wurde heimgeschickt, Gästen bis auf weiteres abgesagt.

Die Furcht vor weiteren Umsatzeinbrüchen wächst mit jedem Tag ohne Schnee. Nicht einmal Kunstschnee kann produziert werden. Dazu ist es in den meisten Lagen einfach zu warm. Da helfen auch die vielen Schneekanonen nicht. So manche Gipfelkamera wurde schon zeitweise abgeschaltet. Wozu laufen lassen? Der Anblick grauer Felswände ist gar zu trostlos. Auch die Skitouristen werden allmählich unruhig. Die ersten Storno-Anfragen für Weihnachten gehen bereits ein. „So was hat es seit 20 Jahren nicht mehr gegeben“, meint ein Hotelier aus Vorarlberg bedrückt.

„Dass nicht einmal Kunstschnee drin ist, wirkt sich für Wintersportorte ohne Alternativprogramm besonders dramatisch aus, zeigt aber zugleich, dass man auch durch hochmoderne Beschneiungstechnik die Natur nicht austricksen kann“, sagt Christine Margraf vom Bund Naturschutz in Bayern.

„Alle warten auf den Schnee, auch wir“, bestätigt Andrea Händel vom Deutschen Alpenverein (DAV). Die Organisation hat eine Menge Ausbildungskurse für Skilehrer diesen Winter angesetzt. Die sollten nicht ausfallen. Noch sei die Lage „nicht wirklich kritisch“, meint Händel: „Dass man sich nach der Natur richten muss und nicht umgekehrt, wird nur immer sichtbarer, weil die Tourismusindustrie immer früher die Saison einläutet.“ Bis auf weiteres sollten Skibegeisterte in höhere Lagen ausweichen. Wenigstens ist es auf den Gletschern Österreichs, der Schweiz und in absoluten Hochlagen derzeit weiß.

Gratis-Skipass bis Schnee fällt in Samnaun

Auch in höher gelegenen Skizentren wie Sankt Moritz oder der Zweiländer-Skiregion Ischgl/Samnaun ist Skifahren momentan durchaus möglich – allerdings fast nur auf Kunstschnee. Außerdem sind nicht alle Lifte geöffnet. Um Gäste zu locken, rangen sich Ischgl und Samnaun vergangenes Wochenende zu einer einmaligen Gratis-Skipass-Aktion durch. „Wir transportieren die Leute so lange kostenlos auf den Berg, bis der erste Schnee wieder fällt“, verspricht Franz Holzknecht, Tourimus-Direktor von Samnaun.

Dass der Winter so lange auf sich warten lässt, strapaziert auch die Geldbeutel derer, die zum Skifahren wollten, aber nicht konnten. Wurde ein Ski-Opening wegen Schneearmut abgesagt und verschoben, haben Gäste keinen Anspruch auf eine kostenlose Kündigung der Hotelbuchung. Schneemangel ist nämlich kein Stornogrund, erläutert Simone Mühe, Juristin der Verbraucherzentrale Bayern. Das sollten auch Gäste berücksichtigen, die ihren Winterurlaub rund um Weihnachten vorsorglich kündigen wollen.

Bieten Veranstalter oder Hotels eine kostenlose Umbuchung oder einen Ersatztermin gegen Aufpreis an, sei das bereits als Kulanzleistung zu werten. „Das Witterungsrisiko gehört zum allgemeinen Lebensrisiko“, betont auch Beate Wagner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. In komplizierten Einzelfällen bieten Verbraucherzentralen vor Ort Beratung gegen Gebühr.

(AP)

 

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