Wiesbaden – Für seine Bemühungen um Aussöhnung im Nahostkonflikt ist Daniel Barenboim am Donnerstag in Wiesbaden mit dem hessischen Friedenspreis geehrt worden. Der israelische Dirigent wurde für sein West-Eastern Divan Orchestra geehrt, in dem junge Musiker aus Israel und seinen arabischen Nachbarländern zusammen spielen. In seiner Dankesrede forderte Barenboim mehr europäische Hilfe im Nahen Osten. Voraussetzung für eine friedliche Lösung sei aber ein Umdenken beider Konfliktparteien.
Israel müsse die Leiden der Palästinenser anerkennen, und die Palästinenser müssten Israel als existierende Realität akzeptieren. „Es gibt keine militärische Lösung“, betonte er. Ob es in Zukunft ein oder zwei Staaten in Nahost geben werde, ließ Barenboim offen. Wenn es aber zu einer Zweistaatenlösung komme, müsse der palästinensische Staat von Anfang an mit Israel zusammenarbeiten. Eine Unabhängigkeit dürfe nicht zu Trennung führen, warnte er. Dabei sei sowohl europäische als auch deutsche Hilfe willkommen: „Wir brauchen die Hilfe Europas“, betonte der Dirigent.
Ministerpräsident Roland Koch würdigte Barenboims kulturelle Aktivitäten zur Konfliktlösung. Die Politik sei wegen ihrer beschränkten Mittel auf solches Engagement angewiesen, betonte Koch. Der hessische Landtagspräsident Norbert Kartmann sagte, Barenboim demonstriere im Kleinen wie der Nahost-Konflikt bewältigt werden könne und verzaubere quasi als Nebeneffekt tausende Zuhörer mit der Musik. Das West-Eastern Divan Orchestra vermittele den jungen Musikern Respekt und mache so gegenseitiges Verständnis möglich.
Der Journalist und Nahostexperte Wolfgang Günter Lerch sagte in seiner Laudatio, Barenboim gehöre zu denjenigen, die angesichts der Lage im Nahen Osten nicht in Verzweiflung oder Lethargie verfallen. Stattdessen setze er Zeichen, wo andere aufgeben. Mit seinem unkonventionellen Handeln durchstoße Barenboim die Mauer der Unkenntnis und der wechselseitigen Verweigerung zwischen Israelis und Palästinensern, sagte der Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
Der 1942 in Buenos Aires geborene Barenboim zog 1952 mit seinen Eltern nach Israel. Er startete seine Karriere als Pianist, ist aber seit seinem Dirigierdebüt 1967 in London bei allen führenden Orchestern der Welt gefragt. Seit 1992 ist er Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Weltweite Beachtung hat er vor allem mit seinen Wagner-Aufführungen gefunden.
Der mit 25.000 Euro dotierte Friedenspreis wird seit 1994 vergeben. Zu den bisherigen Preisträgern zählen der ehemalige EU-Vermittler in Bosnien, Hans Koschnick, der russische General Alexander Lebed sowie der ehemalige finnische Staatspräsident Martti Ahtisaari. Im vergangenen Jahr ging er an den Dalai Lama.
http://www.hsfk.de/static.php?id=192&language=de
http://west-easterndivan.artists.warner.de/
(AP)
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