Aktuelle Nachrichten – Unternehmen
11.02.2009
Frankfurt/Main – Der Chemiekonzern BASF will wegen der weltweiten Wirtschaftskrise Werke schließen und Arbeitsplätze abbauen. Unternehmenschef Jürgen Hambrecht sagte der Wochenzeitung „Die Zeit“, in Europa, Amerika und Asien werde sich BASF von weniger effizienten Anlagen trennen müssen. Für die Gewerkschaft IG BCE und die Arbeitgeber sind Entlassungen aber nach eigener Aussage kein Thema.
Hambrecht sagte zur Schließung von Anlagen: „Wo und wie viele Jobs das kostet, kann ich nicht sagen, die Krise ist noch nicht zu Ende.“ Nicht jeder, der an einer Stelle nicht mehr gebraucht werde, könne woanders eingesetzt werden. Auf die Frage, ob Jobs in Deutschland gestrichen werden sollen, sagte der Vorstandschef: „Unsere Mitarbeiter in China oder anderswo sind mir genauso wichtig wie die in Deutschland.“
BASF drosselte wegen der Wirtschaftskrise bereits im vergangenen Jahr Teile der Produktion. Hambrecht sagte der Wochenzeitung nun: „Es kann sein, dass wir unsere Kapazitäten noch weiter reduzieren müssen. Die Elektronikbranche ist weltweit eingebrochen, und die Autoindustrie hat ihr Tal noch nicht erreicht.“ Wenn diese wichtigen Kunden plötzlich nur noch die Hälfte bestellten, gebe es wenig Alternativen.
Für die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie sind Entlassungen in Deutschland aber kein Thema. „Die IG BCE und der Bundesarbeitgeberverband Chemie stimmen darin überein, alle tariflichen und arbeitsmarktpolitischen Mittel zu nutzen, um Entlassungen zu vermeiden“, erklärte Gewerkschaftschef Hubertus Schmoldt. Ziel müsse sein, die Belegschaften in den Betrieben zu halten. Andernfalls würden bei einem wieder einsetzenden Aufschwung dringend benötigte Fachkräfte fehlen.
BASF kündigte bereits im Januar an, wegen der wegbrechenden Nachfrage 1.800 Beschäftigte in Kurzarbeit zu schicken. Allerdings könne das Instrument in der Chemie nur begrenzt genutzt werden, sagte Hambrecht jetzt. Manche Anlagen müssten sieben Tage in der Woche und 24 Stunden am Tag laufen. „Kurzarbeit ist da keine Option. Deshalb müssen wir dort vielleicht aus drastischere Maßnahmen ergreifen.“
Auch US-Konkurrenten wie DuPont oder Dow Chemical wollen wegen der schleppenden Nachfrage Kosten sparen und Stellen streichen. Der BASF-Konzern prüft unter anderem den Verkauf seiner Leder- und Textilchemiesparte.
Zur Lage insgesamt sagte Hambrecht: „Momentan sieht es rabenschwarz aus.“ Er hofft nach eigenen Worten, dass sich die Lage stabilisiert, wenn die Kunden ihre Vorräte abgebaut haben und die Produktion in Asien nach dem chinesischen Neujahrsfest wieder anläuft. Er räumte ein, das Ausmaß der Krise habe ihn überrascht. „Dass die Probleme in Amerika, Asien und Europa synchron auftreten, habe ich in über 30 Jahren bei BASF nicht erlebt“. (AP)
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