Unternehmen – Bauern und Ernährungsindustrie gegen ruinösen Preiskampf – Marc Kalpidis
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Ungleiche Kräfteverhältnisse Bauern und Ernährungsindustrie gegen ruinösen Preiskampf

Marc Kalpidis

13.01.2010

Der Deutsche Bauernverband hat ein staatliches Eingreifen gegen Spekulanten am Agrarmarkt verlangt. Verbandspräsident Gerd Sonnleitner brachte in einem Interview der "Berliner Zeitung" eine Spekulationssteuer ins Gespräch. Foto: Franka Bruns/AP Foto
Der Deutsche Bauernverband hat ein staatliches Eingreifen gegen Spekulanten am Agrarmarkt verlangt. Verbandspräsident Gerd Sonnleitner brachte in einem Interview der "Berliner Zeitung" eine Spekulationssteuer ins Gespräch.

Foto: Franka Bruns/AP Foto

Berlin (apn) Eine Ende des ruinösen Preiskampfs im Lebensmittelsektor haben Bauern und Lebensmittelindustrie gefordert. Zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin, die am Freitag ihre Pforten für die Verbraucher öffnet, sprach sich der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Gerd Sonnleitner, gegen die „Discountermentalität“ aus. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie beklagte am Mittwoch einen Umsatzrückgang, weil der Wettbewerb teilweise mit fragwürdigen Praktiken geführt werde.

Sonnleitner bekräftigte seine Forderung, die gesellschaftlichen Leistungen der Landwirte müssten auch honoriert werden. Angesichts der „höchst ungleichen Kräfteverhältnisse in der Lebensmittelkette“ funktioniere dies aber nicht mehr allein über den Preis der Agrarprodukte. Um die Bauern zu entlasten, fordert Sonnleitner neben einer Senkung der Agrardieselsteuer auch eine „Spekulationssteuer“ für landwirtschaftliche Produkte.

Der BVE-Vorsitzende Jürgen Abraham verlangte: „Der Wettbewerb muss vor allem über die beste Produktqualität und nicht nur über den geringsten Preis geführt werden.“ Ökologisch und sozial nachhaltige Produkte könne es aber nicht zum Nulltarif geben. Der „zum Teil mit fragwürdigen Praktiken geführte Wettbewerb“ habe 2009 zu einem Umsatzrückgang der Ernährungsindustrie von 4,2 Prozent auf 149,8 Milliarden Euro geführt.

Der Umweltschutzbund WWF forderte finanzielle Hilfen für Bauern, die beim Anbau Klima, Wasser und biologische Vielfalt schützen. Spätestens mit dem Inkrafttreten der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik im Jahr 2014 müssten Agrarsubventionen grundsätzlich an ökologische Kriterien gekoppelt werden.

Mehr als 400.000 Besucher erwartet

Zur Grünen Woche als weltgrößten Verbraucherschau ihrer Art reisen in diesem Jahr allein 56 Landwirtschaftsminister an. Messe-Geschäftsführer Christian Göke erklärte, insgesamt würden 2010 über 400.000 Besucher erwartet, darunter 100.000 Fachbesucher.

Vom 15. bis 24. Januar bieten rund 1.000 deutsche und mehr als 500 ausländische Aussteller eine globale Leistungsschau der Land- und Ernährungswirtschaft. Im Mittelpunkt der über 300 Konferenzen, Tagungen und Seminare stehen Themen wie Landwirtschaft und Klimawandel, nachhaltige Lebensmittelproduktion und Verbrauchersicherheit.

Eröffnet wird die seit 1926 stattfindende Grüne Woche von der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner (CSU). Offizielles Partnerland ist in diesem Jahr Ungarn, das 15 Prozent seiner Agrarprodukte nach Deutschland exportiert. (AP)

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