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Bayern startet Aufklärungskampagne gegen plötzlichen Kindstod

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11.02.2006

München - Das Land Bayern will den plötzlichen Kindstod, an dem fast jeden Tag in Deutschland ein Säugling stirbt, mit einer breit angelegten Aufklärungskampagne deutlich reduzieren. Das Risiko könnte mit einfachen Mitteln, etwa einem Schlafsack oder der Kontrolle der Rückenlage des Säuglings, wesentlich verringert werden, sagte Uta Nennstiel-Ratzel vom bayerischen Landesgesundheitsamt am Freitag in München. Künftig sollen Mütter von Medizinern und Hebammen schon während der Schwangerschaft über sicheren Babyschlaf informiert werden.

«Der plötzliche Säuglingstod ist immer noch die häufigste Todesursache im ersten Lebensjahr», betonte der Leiter der Frauenklinik der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, Professor Klaus Friese. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 323 Kinder tot in ihrem Bettchen gefunden, allein in Bayern starben 2004 insgesamt 29 Kinder. Warum manche Neugeborene in den ersten acht Lebensmonaten plötzlich mit dem Atmen aufhören, ist laut Friese noch immer ungeklärt. Bekannt sei jedoch, dass Babys auf dem Rücken, im eigenen Bettchen im Zimmer der Eltern und in rauchfreier Umgebung am besten schliefen.

Decken, Kissen und schwere Federbetten gehören laut Friese ebenso wenig ins Kinderbett wie Kuscheltiere. Dennoch würden diese Empfehlungen noch immer nicht ausreichend befolgt. So benützen laut einer Umfrage des Landes an den bayerischen Kliniken nur die Hälfte der Eltern einen Schlafsack für ihre Neugeborenes. «Dabei könnte das Risiko, dass das Kind unter die Decke rutscht, um 20 Prozent reduziert werden», sagte der Professor. Auch eine gefährliche Überhitzung werde mit einem Schlafsack verhindert. Die beiden Münchner Uni-Geburtskliniken wollen künftig frisch gebackene Eltern mit Hilfe eines Sponsors einen entsprechenden Schlafsack schenken.

«Die Prävention muss schon vor der Geburt des Kindes ansetzen», betonte Nennstiel-Ratzel vom Landesgesundheitsamt. Kurz nach der Entbindung könnten die Mütter alle Tipps für ihr Neugeborenen gar nicht verarbeiten. Hier setze die Informationskampagne «Sicherer und gesunder Babyschlaf» des Landes an. In ganz Bayern sollen nun Broschüren bei Frauen- und Kinderärzten, Jugendämtern, Schwangerenberatungsstellen und Geburtskliniken verteilt werden, um über die Vorsichtsmaßnahmen informieren. Vor allem beim ersten Kind sei Aufklärung bei den noch unsicheren Eltern wichtig. «Wenn Großeltern und Tanten das Kind auf den Bauch drehen oder zu dick einpacken wollen, müssen es Vater und Mutter besser wissen», sagte Nennstiel-Ratzel.


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