Aktuelle Nachrichten – Erneuerbare Energie
22.06.2012
Foto: Sean Gallup/Getty Images
Budweis – Bayern und Österreich haben auf einem Erörterungstermin des tschechischen Umweltministeriums Bedenken gegen die geplante Erweiterung des Atomkraftwerks Temelin angemeldet. "Die Bayerische Staatsregierung lehnt den Bau der Blöcke 3 und 4 am Standort Temelin ab", sagte der Abteilungsleiter der Atomaufsicht, Albert Göttle, am Freitag in Budweis. Der bayerische Umweltminister Marcel Huber (CSU) war wegen eines anderen Termins nicht nach Tschechien gekommen und kritisierte das Vorhaben in einer Mitteilung.
Göttle betonte in Budweis, er sehe noch offene Fragen. So seien beispielsweise die möglichen Auswirkungen auf das Grundwasser im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet bisher nicht ausreichend dargestellt. Auch die Folgen eventueller Störfälle in Temelin seien nicht genügend untersucht.
Minister Huber, der bei der Umweltministerkonferenz in Schleswig war, teilte mit: "Bayern lehnt den geplanten Neubau der Kernkraftwerke in Temelin ab. Wir sind nicht zufrieden mit den tschechischen Informationen zum Neubau." Außerdem reiche ein Tag nicht aus, um alle offenen und berechtigten Fragen gebührend zu behandeln.
Auch das Gutachten bleibe "an wesentlichen Stellen lückenhaft und unkonkret". Hier müsse nachgebessert werden – besonders im Hinblick auf den Umgang mit Störfällen. Huber sicherte zu: "Ich werde dies baldmöglichst gegenüber dem tschechischen Umweltminister ansprechen."
Der österreichische Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) verlangte in Budweis ein weiteres Monitoringverfahren. "Viele Fragen sind noch unbeantwortet", sagte auch er. Berlakovich forderte Tschechien auf, das Kraftwerksprojekt ganz fallen zu lassen und langfristig aus der Atomenergie auszusteigen. Spätestens die Reaktorkatastrophe von Fukushima habe bewiesen, dass Atomkraft nicht beherrschbar ist.
"Auch für Tschechien gibt es keine Sicherheit", sagte der Minister. Er bemängelte unter anderem, dass bis heute noch nicht feststehe, welcher Reaktortyp in Temelin zum Einsatz kommen solle.
Der niederbayerische Grünen-Abgeordnete Eike Hallitzky kritisierte am Rande der Veranstaltung den bayerischen Umweltminister Huber für sein Fernbleiben. "So schindet man keinen Eindruck", meinte Hallitzky. Der Minister halte sich in seinem Protest gegen die Temelin-Pläne immer noch "zu sehr zurück".
An dem rund 60 Kilometer von der deutsch-tschechischen Grenze entfernten Standort sollen bis zum Jahr 2025 zwei weitere Reaktoren gebaut werden. Bei der formellen Anhörung des tschechischen Umweltministeriums sollten "Fragen und Bedenken der Öffentlichkeit zu dem geplanten Neubau der Kernkraftwerke Temelin 3 und 4" behandelt werden.
Zu Beginn der Veranstaltung hatten sich rund 200 Atomkraftgegner aus Tschechien, Bayern und Österreich in der Halle eingefunden, wo die Anhörung stattfand.
(Uli Scherr/dapd)
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