Kultur – Bayreuth gehört nicht mehr den Wagners – Wolfgang Hübner
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Staatsbetrieb Bayreuth Bayreuth gehört nicht mehr den Wagners

Wolfgang Hübner

02.09.2008

Die Richard-Wagner-Büste des Bildhauers Arno Breker nahe dem Festspielhaus auf dem "Grünen Hügel" in Bayreuth. Seit 1876 finden in Bayreuth die Wagner-Festspiele statt. (AP Photo/Eckehard Schulz)
Die Richard-Wagner-Büste des Bildhauers Arno Breker nahe dem Festspielhaus auf dem "Grünen Hügel" in Bayreuth. Seit 1876 finden in Bayreuth die Wagner-Festspiele statt. (AP Photo/Eckehard Schulz)

Bayreuth – Der Wechsel an der Spitze der Bayreuther Festspiele bringt einen tiefen Einschnitt in der Geschichte der weltweit einmaligen Kunstinstitution. Denn nach dem nun vollzogenen Rücktritt Wolfgang Wagners ist der Mikrokosmos auf dem Grünen Hügel künftig keine familieneigene Veranstaltung mehr.

Die bislang allein von dem 89-jährigen Komponisten-Enkel gehaltenen Gesellschafteranteile an der Bayreuther Festspiel GmbH sind zu gleichen Teilen dem Bund, dem Land Bayern, der Stadt Bayreuth und den „Freunden Bayreuths“ übereignet worden. Faktisch bedeutet das eine weitgehende Verstaatlichung der Festspiele, auch wenn niemand das als unschön empfundene Wort in den Mund nehmen will.

Zwar fiel die Entscheidung über die künftige Leitung der Richard-Wagner-Festspiele zu Gunsten der Halbschwestern Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner aus. Mit der fast einstimmig erfolgten Wahl der beiden Töchter von Urgestein Wolfgang Wagner hatte der Stiftungsrat auf seiner Sitzung am Montag für die von den einen erhoffte, von anderen gefürchtete familiäre und konzeptionelle Kontinuität auf dem Grünen Hügel gesorgt.

Und doch sind die beiden Frauen, die nun die Geschicke der Festspiele bestimmen sollen, Angestellte der neuen Eigentümer. Formal war das auch schon ihr Vater, doch besaß dieser einen listig errungenen und zäh verteidigten Vertrag auf Lebenszeit sowie alle Anteile an der Festspiel GmbH. Damit ist es nun vorbei, und zwar ein für allemal.

Es war eine der Schlüsselszenen bei der Verkündung der Entscheidung des Stiftungsrates, als Bayreuths Oberbürgermeister geradezu beschwörend betonte, nie wieder würden die neuen Herren über die Festspiele einen Vertrag auf Lebenszeit ausstellen. „Den Fehler eines lebenslangen Vertrags machen wir ganz sicher nicht mehr“, betonte Michael Hohl. Eva und Katharina sollen als Geschäftsführerinnen normale Intendantenverträge erhalten, die im Regelfall eine Laufzeit von fünf bis sieben Jahren vorsehen.

Die neuen Leiterinnen mit Machtverlust

Deshalb wird das vom Alter her so ungleiche Halbschwestern-Tandem an der Spitze der Festspiele in einer viel weniger starken Stellung sein als es ihr Vater 42 lange Jahre nach dem frühen Tod seines Bruders und Partners Wieland gewesen ist. Das wird besonders die 30-jährige Katharina, Wolfgang Wagners selbstbewusste Lieblingstochter, noch zu spüren bekommen. Denn so kostspielige Inszenierungen wie Katharinas Bayreuth-Debüt 2007 mit „Die Meistersinger von Nürnberg“, das zugleich eine Art Bewerbung um die nun errungene Position war, werden die neuen Gesellschafter künftig wohl nicht mehr klag- und fraglos willig finanzieren.

Die stärkste Stellung in der Festspiel GmbH haben natürlich die potentesten Geldgeber, also der Bund und der Freistaat Bayern. Ihre Vertreter besitzen von nun an die reale Macht über die Gründung von Richard Wagner. Dieser hatte für staatliche Autorität ausgesprochen wenig Sympathien, aber auch keinerlei Skrupel, öffentliche Kassen für die Realisierung seiner Kunstutopie in Anspruch zu nehmen.

Weder Katharina noch die 63-jährige Eva nehmen für sich in Anspruch, das Genie des Urgroßvaters zu besitzen. Neben ihrer Qualifikation sind es aber auch die Gene, die beiden Frauen den Sieg im Nachfolgestreit gesichert haben. Und es ist ein Sieg auf Zeit, denn die noch auszuhandelnden Verträge werden befristet sein und einige Klauseln enthalten, die Wolfgang Wagner nie akzeptieren musste. Über Geld und Macht in Bayreuth, das wissen Wolfgangs Töchter wohl, verfügen künftig wechselnde Politiker, die allesamt eine Gemeinsamkeit haben: Kein Wagner-Blut. (AP)

 

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