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Befreite Irak-Geiseln in Berlin erwartet

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03.05.2006

Leipzigs Oberbürgermeister Burghard Jung zeigt ein Flugblatt mit der Information über die Freilassung der Geiseln im Irak an der Leipziger Nikolaikirche am Dienstag, 2. Mai 2006. Im Januar wurden zwei Ingenieure aus Leipzig entführt. (AP Photo/Eckehard Schulz)
Leipzigs Oberbürgermeister Burghard Jung zeigt ein Flugblatt mit der Information über die Freilassung der Geiseln im Irak an der Leipziger Nikolaikirche am Dienstag, 2. Mai 2006. Im Januar wurden zwei Ingenieure aus Leipzig entführt. (AP Photo/Eckehard Schulz)

Berlin - Die beiden Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nitzschke kehren nach ihrer Freilassung aus mehr als einen Vierteljahr irakischer Geiselhaft in die Heimat zurück. Sie wurden nach Angaben des Auswärtigen Amtes am (heutigen) Mittwoch gegen 14.00 Uhr auf einem Berliner Flughäfen erwartet. Die Bundesregierung geht von einem kriminellen Hintergrund der Entführung aus. Der irakische Botschafter in Berlin, Alaa Al Hashimy, äußerte die Vermutung, dass «eine Menge Geld» geflossen sei.

Die Ex-Geiseln dürften nach ihrer Landung nach einem kurzen Empfang an einem dritten Ort erst einmal mit ihren Familien zusammenkommen und abgeschirmt ein paar Tage zusammenbleiben. Obwohl sie unversehrt in die Freiheit zurückkehren konnten, gelten sie als erschöpft. Üblich in solchen Fällen sind auch Befragungen durch die Sicherheitsbehörden.

Der 32-jährige Bräunlich und der 28-jährige Nitzschke aus Leipzig und Umgebung waren am 24. Januar in der nordirakischen Stadt Beidschi von bewaffneten Männern verschleppt worden. Sie sollten im Auftrag des Anlagenbauers Cryotec aus Bennewitz bei Wurzen eine technische Anlage in einer Raffinerie errichten und an die Iraker übergeben.

Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatten sich bereits am Dienstag erleichtert geäußert. Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der sich auf eine Lateinamerika-Reise befindet, hatte mit den beiden Leipzigern unverzüglich telefoniert, als sie bereits in Bagdad in sicherer deutscher Obhut waren. Auch ihm sei eine Last von den Schultern genommen, sagte er. Steinmeier warnte aus diesem Anlass erneut vor Reisen in den Irak.

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, sagte, im Irak habe sich eine regelrechte «Geiselindustrie» entwickelt. Auf einen kriminellen Hintergrund der Entführung habe es schon bei der Analyse der vier Geiselvideos Hinweise gegeben. Dieser Umstand sei aber auch eine Chance gewesen, weil man an den harten Kern politisch motivierter Geiselnehmer kaum herankomme.

Kontakt erst vor kurzem

Die Arbeit im Krisenstab sei nicht immer leicht gewesen, sagte Erler. Es habe «eine ganze Reihe von Wochen» gegeben, «in denen praktisch überhaupt keine brauchbaren Verbindungen in die Nähe der Entführer hergestellt werden konnten.» Erst vor kurzem sei es gelungen, über Mittelsmänner Kontakte herzustellen.

Erler warnte vor Spekulationen über mögliche Lösegeldzahlungen für die zwei deutschen Ingenieure. Dadurch könnten Nachahmungstaten ausgelöst werden. Zugleich rief er dringend dazu auf, die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes ernst zu nehmen und nicht in den Irak zu reisen. Die Entführungen der beiden Ingenieure und der Archäologin Susanne Osthoff hätten gezeigt, «dass diese Warnungen wirklich begründet sind».

Der irakische Botschafter Al Hashimy begrüßte die Freilassung der beiden deutschen Ingenieure. Er vertrat die Auffassung, dass es sich bei den Geiselnehmern um eine kriminelle Gruppe handelte. Vermutlich sei im Endeffekt «eine Menge Geld» geflossen. Bei den Kontakten über Mittelsmänner vor Ort habe es sich nicht um offizielle Vertreter Iraks gehandelt. Die diplomatische Vertretung in Berlin sei aber insofern eingeschaltet gewesen, als es um die erleichterte Ausstellung von Visa-Anträgen für Mitarbeiter des Bundesnachrichtendiensts und des Auswärtigen Amts ging.

Al Hashimy betonte das fortbestehende Interesse seines Landes an deutschen und anderen ausländischen Investitionen. Derartige Vorfälle beträfen aber nur die Mitte Iraks, der Norden und Süden seien sicher, betonte der Botschafter.

(Quellen: Erler im ARD-Morgenmagazin, Bayerischen Rundfunk und Deutschlandradio Kultur, Al Hashimy im ARD-Morgenmagazin)

(AP)

 

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