Aktuelle Nachrichten – Essen&Trinken
16.06.2012
Foto: AP Photo / Mary's Meals
London – Zwei Kroketten, ein Cheeseburger, drei Gurkenscheiben und ein Wassereis: So sah eines der wenig ansprechenden Schulessen aus, die die neunjährige Schottin Martha Payne für ihren Essen-Blog fotografierte. Die Verwaltung der schottischen Grafschaft Argyll untersagte ihr daraufhin das Fotografieren, musste dieses Verbot aber nach einer Welle der Empörung im Internet wieder aufheben.
Mehr als zwei Millionen mal wurde Marthas Blog "Never Seconds" (Niemals Nachschlag) aufgerufen, seit er vor rund sechs Wochen ins Netz gestellt wurde. Martha wollte mit dem Schreibprojekt ursprünglich Geld für die Hilfsorganisation Mary's Meals sammeln, deren Ziel es ist, in armen Ländern kostenlos Schulessen zur Verfügung zu stellen.
Die neunjährige Martha, die in der schottischen Küstenstadt Lochgilphead rund 210 Kilometer westlich von Edinburgh lebt, gab auf einer eigenen Skala, einem sogenannten "Food-o-meter", jedem Gericht in der Schulkantine eine Bewertung. "Ich würde wirklich gerne wissen, wo die Hühner herkommen", schrieb sie in einem ihrer Beiträge über Hühnchen-Fajitas. "Deshalb werde ich der Frau, die dafür zuständig ist, schreiben und sie fragen. Ich will wissen, wo die Henne lebte."
Die örtlichen Behörden waren "not amused" und verboten der Neunjährigen, Fotos von ihrem Essen zu machen. Marthas Bilder seien irreführend und würden dem Personal in den Schulkantinen schaden. Besonders erzürnt waren sie über einen Bericht in der schottischen Zeitung "Daily Record" mit dem Titel "Feuert die Dinner-Frauen".
Marthas Vater argumentierte aber, dass seine Tochter nicht nur schlechte Bewertungen abgegeben habe und es nicht ihre Absicht sei, das Essen unappetitlich aussehen zu lassen.
Schließlich war es aber der Shitstorm im Internet, der die Behörden am Freitag ihre Entscheidung revidieren ließ. Außerdem hatte Starkoch Jamie Oliver, der sich selbst für die Verbesserung des Schulessens in Großbritannien einsetzt, Martha auf Twitter Mut zugesprochen.
Für Mary's Meals war die mediale Aufmerksamkeit ein Erfolg. Allein am Freitag stiegen die Spenden an die Hilfsorganisation von 3.000 auf 40.000 Pfund (50.000 Euro). Nach der Aufhebung des Fotoverbots bedankte sich Martha auf ihrem Blog bei ihren Unterstützern. (dapd)
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