Gesundheit - Aktuelle Nachrichten, Ratgeber und Berichte – Bei EHEC "kein Anlass für Entwarnung" – Vera Fröhlich
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Aktuelle Nachrichten – Gesundheit

Quelle noch immer unbekannt Bei EHEC "kein Anlass für Entwarnung"

Vera Fröhlich

02.06.2011

Mathias Schulz, Gurkenproduzent aus Papenburg,  im Gewächshaus seines Unternehmens mit einer Kiste mit derzeit unveräeuflichen Salatgurken. Wie viele Gemüseanbaubetriebe ist auch sein Unternehmen von der Absatzkrise durch die Angst vor den EHEC-Erregern betroffen. Zehntausende Gurken werden nach seinen Angaben täglich vernichtet.  Foto: Focke Strangmann/dapd
Mathias Schulz, Gurkenproduzent aus Papenburg, im Gewächshaus seines Unternehmens mit einer Kiste mit derzeit unveräeuflichen Salatgurken. Wie viele Gemüseanbaubetriebe ist auch sein Unternehmen von der Absatzkrise durch die Angst vor den EHEC-Erregern betroffen. Zehntausende Gurken werden nach seinen Angaben täglich vernichtet.

Foto: Focke Strangmann/dapd

Berlin – "Kein Anlass für Entwarnung": Dieses Fazit der EHEC-Erkrankungen zog Reinhard Burger, Leiter des für Krankheitsüberwachung zuständigen Robert-Koch-Instituts (RKI) im Bundestag. Zwei Stunden lang stellten sich dort am Mittwoch Experten aus den Instituten und dem Verbraucherministerium den Fragen der Abgeordneten im Ernährungsausschuss.

"Es geht hier um schwere Erkrankungen bis hin zu Todesfällen", sagte Ministerin Ilse Aigner (CSU). Doch leider sei die Botschaft weiterhin, dass "die genaue Ursache des Geschehens noch nicht eingegrenzt werden konnte". Bei Patientenbefragungen seien Tomaten, Gurken und Blattsalate, die in Norddeutschland verzehrt wurden, "auffällig in der Schnittmenge" gewesen.

Die mit dem Durchfallerreger EHEC verunreinigten Gurken aus Spanien können nicht für die schweren Erkrankungen verantwortlich gemacht werden. EHEC ist eine Infektion mit dem enterohämorrhagischen Escherichia-coli-Bakterium. Von dem Darmkeim betroffene Patienten erkranken an dem sogenannten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), das unter anderem mit Nierenschädigungen einhergeht.

Aigner sagte, dass die spanischen Gurken "nicht den eigentlichen Erreger tragen", nämlich das Bakterium vom Stamm O104:H4. Nach Hunderten von Proben seien sich die Experten noch nicht einmal sicher, ob überhaupt ein Agrarprodukt für die Infektionen verantwortlich gemacht werden könne. Denn der Erreger kann auch bei Transport, Verladung und Verpackung auf die Ware gelangt sein.

Erreger wird meist nicht gefunden

Andreas Samann vom Institut für Hygiene und Umwelt in Hamburg machte den Abgeordneten wenig Hoffnung, dass die Quelle des Darmkeims rasch entdeckt wird. In fast 80 Prozent aller Fälle weltweit finde man den Erreger nicht. Ähnlich sieht das auch Andeas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). "In der Mehrzahl aller Ausbruchsgeschehen wird das Agens nicht isoliert", sagte er.

RKI-Chef Burger berichtete, inzwischen seien alle Bundesländer betroffen, besonders schwer Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Hamburg. Gebe es sonst bundesweit etwa 1.000 EHEC-Ausbrüche pro Jahr mit 50 bis 60 HUS-Fällen, seien derzeit so viele allein in Hamburger Krankenhäuser zu finden. Die Quelle sei weiterhin unbekannt: "Man kann da nur spekulieren."

Sicher sei, dass sie weiter zu Infektionen führe und dass mit 70 Prozent weit mehr Frauen als Männer betroffen seien, sagte Burger. Mögliche Erklärungen dafür seien, dass Frauen mehr Rohkost essen und öfter die Speisen vorbereiten. Erste Hinweise gebe es auch darauf, dass sich Personen angesteckt haben, die Kranke pflegen.

Wenn nicht Gemüse – was dann?

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung tappt weiter im Dunkeln. BfR-Präsident Henseler meinte, noch sei man mitten drin in der Klärung des Ausbruchsgeschehens: "Wir wissen derzeit nicht, ob es die Gemüse sind." Es gebe aber noch keinen Hinweis darauf, dass der Erreger aus der Tierhaltung komme.

Bis Dienstagnachmittag habe man 1.115 Proben gezogen, berichtete Helmut Tschiersky-Schöneburg, Präsident des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. 188 Gurken, 148 Tomaten und 184 Blattsalate seien aufwendig getestet worden. Hinzu kamen 45 Mal Erdbeeren, 13 Mal Spargel und 2 Mal Champignon plus Gewürze und Kräuter. Zur Sicherheit wurden darüber hinaus neun Mal Rohmilch getest, 38 Mal Käse und 19 Mal Fleisch.

Für Forderungen des spanischen Bauernverbands nach Schadenersatz wegen angeblich unzutreffender Warnung vor Gemüse aus Spanien hat man im Verbraucherministerium kein Verständnis. Zwar sei nicht der Stamm O104:H4 gefunden worden, sagte ein Vertreter. Aber EHEC-Erreger seien entdeckt worden, und die seien meldepflichtig, ohne Wenn und Aber.

Experte Samann sagte, es gebe "viele, viele Spekulationen" über den Erreger. Sie reichten hin bis zur Verbreitung über Flugasche und Sandsturm. Wie dies aber damit in Verbindung gebracht werden könne, dass sie meisten Infizierten in der Altersgruppe 20 bis 40 Jahre und weiblich seien, erschließe sich ihm nicht, sagte Samann. (dapd)

 

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