Köln – Bei der Behandlung von Prostatakrebs sollten nach Ansicht von Experten stärker die Nebenwirkungen bedacht werden. Noch immer rücke die Operation und damit die Entfernung der Prostata in den Mittelpunkt der Überlegungen, obwohl heute mit modernen Formen der Strahlentherapie mehrere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, wie der Urologe Stephan Neubauer vom Westdeutschen Prostatazentrum erklärte.
Für das Frühstadium gelte die so genannte Seed-Implantation als gleichwertiges Verfahren zu einer Radikaloperation. Sie sei aber wesentlich schonender, erklärte der Strahlentherapeut Gregor Spira. Bei der Methode würden bis zu 80 kleinste Strahlenquellen (Seeds) in die Prostata eingesetzt. Diese blieben im Körper und entfalteten über Monate ihre Strahlenwirkung auf das Prostatakarzinom. Dabei werde das Tumorgewebe durch die hochdosierte, gezielte Strahlung von innen zerstört.
Zur Behandlung von fortgeschrittenen Stadien oder aggressiven Tumoren zeige sich die so genannte Afterloading-Therapie überlegen, erläuterte Razvan Galalae von der Klinik für Strahlentherapie der Universität Kiel. Hier würden spezielle Hohlnadeln in die Prostata eingesetzt. Nach einer exakten, computergestützten Bestrahlungsplanung fahre dann eine hochaktive Strahlenquelle in diese Nadeln und bestrahle den Tumor direkt vor Ort. Dadurch könne er unter Schonung des umliegenden Gewebes wesentlich stärker bestrahlt werden als bei einer äußeren Strahlentherapie. Generell gelte, Prostatakrebs sei ein langsam wachsender Krebs. Die Patienten sollten sich intensiv mit den Behandlungsmöglichkeiten auseinander zu setzen, bevor sie eine Entscheidung träfen. „Es darf nicht sein, dass ein Mann vor dem Kauf eines neuen Autos besser informiert ist, als vor der eigenen Krebsbehandlung“, erklärte Neubauer. (AP)
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