Nachrichten Deutschland – Bekennerschreiben von Islamischer Dschihad Union im Internet – Nils Weisensee
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Bekennerschreiben von Islamischer Dschihad Union im Internet

Nils Weisensee

12.09.2007

Frankfurt/Main – Nach der Verhinderung geplanter Bombenanschläge in Deutschland hat sich die Islamische Dschihad Union (IJU) nun auch öffentlich zu den Terrorplänen bekannt. Die Anschläge sollten demnach Ende des Jahres verübt werden und sich gegen den US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein sowie US-amerikanische und usbekische Konsulareinrichtungen richten. Ein im Internet entdecktes entsprechendes Bekennerschreiben gilt als authentisch, wie das Bundesinnenministerium am Dienstagabend in Berlin mitteilte.

In der Erklärung werde auch der von Deutschland genutzte Luftwaffenstützpunkt im usbekischen Termes genannt, erklärte das Ministerium am sechsten Jahrestag der Angriffe vom 11. September 2001 auf die USA. „Mit den Anschlägen wollte die IJU die Schließung des Stützpunktes bewirken.“ Die Kaserne nahe der usbekisch-afghanischen Grenze liefert logistische Unterstützung für die bis zu 3.000 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan.

Auch die Festnahmen vom 4. September in einem Ferienhaus im Sauerland seien in dem Schreiben erwähnt worden. Dort wurden zwei zum Islam konvertierte Deutsche und ein in Deutschland lebender Türke im Alter zwischen 21 und 28 Jahren gefasst. Sie hatten sich nach Angaben der Ermittler große Mengen Chemikalien beschafft und bereits mit dem Bau von Bomben begonnen.

Die IJU war bereits zuvor vom Bundeskriminalamt als Triebfeder hinter den Terrorplänen genannt worden. „Die Bekennung der IJU fügt sich in die bisherige Erkenntnislage der Strafverfolgungsbehörden ein“, hieß es weiter. Durch die Festnahmen vergangene Woche sei die Gefährdung im konkreten Fall gebannt worden, das Bekenntnis unterstreiche aber die fortbestehende Gefährdung durch den islamistischen Terrorismus.

Bekennerschreiben soll Präsenz bekräftigen

Auch der Terrorismusexperte Rolf Tophoven sieht die Gefahr von Anschlägen in Deutschland mit den Festnahmen keineswegs gebannt. Mit dem Bekennerschreiben wolle die Organisation zeigen, dass sie trotz des Scheiterns präsent sei und weitere Anschläge vorbereiten könne, sagte der Leiter des Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik der AP. „Die IJU will ihre Nähe zu der deutschen Gruppe betonen.“

Der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler warnte, in Zukunft könnten sich weitere regionale und in Deutschland bislang unbekannte Gruppen in den internationalen Terror einklinken. Denn aus Sicht der Terroristen seien die gescheiterten Anschläge wegen der großen Öffentlichkeitswirkung trotz der Festnahmen ein Erfolg, sagte er der AP. „Wenn keiner den Namen und die Kontonummer kennt, fließt auch kein Geld.“

Die sunnitische IJU gilt als Abspaltung der islamischen Bewegung Usbekistans und verfolgte dort nach einem Bericht des US-Außenministeriums zunächst regionale Ziele. Nach einer Serie von Anschlägen auf lokale Märkte und Polizeistationen folgten im Juli 2004 Selbstmordattentate auf die israelische und die US-Botschaft sowie das Büro des usbekischen Generalstaatsanwalts in der Hauptstadt Taschkent.

In Europa wurde die Gruppierung nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft erst vor kurzem unter dem Einfluss von Al Kaida aktiv. Die deutsche Zelle entstand demnach im Winter 2006 – mit dem Ziel, Mitglieder in der Bundesrepublik zu rekrutieren und auch hier Anschläge zu verüben.

In Österreich wurden unterdessen drei Terrorverdächtige festgenommen. Die Festnahmen stünden in Zusammenhang mit Videodrohungen islamischer Extremisten gegen Österreich und Deutschland vom März, erklärte ein Sprecher des österreichischen Innenministeriums. Die Islamisten hatten mit Anschlägen gedroht, falls Österreich und Deutschland nicht ihre Truppen aus Afghanistan abzögen. (AP)

 

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