Frankfurt/Main – Bei Deutschlands größtem Handelskonzern Metro steht offenbar ein überraschender Führungswechsel bevor. Vorstandschef Hans-Joachim Körber wird nach Informationen von „FAZ“, „Süddeutscher Zeitung“ und „Rheinischer Post“ in Kürze aus dem Unternehmen ausscheiden. Seine Aufgaben werde vorübergehend Haniel-Vorstandschef Eckhard Cordes übernehmen. Der frühere Mercedes-Chef Cordes ist als Vertreter des größten Metro-Aktionärs auch Aufsichtsratschef des Handelskonzerns. Ein Metro-Sprecher wollte die Berichte nicht kommentieren.
Seitdem Haniel seinen Anteil an Metro auf 34,24 Prozent aufgestockt hat, machten Gerüchte über eine Neuausrichtung von Metro die Runde. Laut „Süddeutscher Zeitung“ soll Körber Ende Oktober seinen Posten verlieren und durch Cordes ersetzt werden. Körber, dessen Vertrag noch bis 2009 läuft, werde in Aktionärskreisen vorgeworfen, die Ertragsschwäche der Verbrauchermarktkette Real und des Kaufhof nicht in den Griff bekommen zu haben. Dagegen laufen die Cash-&-Carry-Großmärkte und der Elektrobereich (Media-Markt/Saturn) sehr gut.
Cordes, der als Sanierer gilt, solle mindestens für eine Übergangszeit in Personalunion Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzender sein, schrieb die „SZ“. Nach Informationen der „Financial Times Deutschland“ soll Cordes den neuen Posten dagegen nicht übergangsweise, sondern für die kommenden Jahre übernehmen. Er solle Chef bei Haniel bleiben, werde den Aufsichtsratsvorsitz bei Metro aber aufgeben. Dafür habe Cordes die Rückendeckung der Großaktionärs Haniel. Weitere größere Anteilseigner von Metro sind Firmengründer Otto Beisheim und die Familie Schmidt-Ruthenbeck.
Körber steht seit 1999 an der Spitze von Metro. Der promovierte Kaufmann richtete den Konzern konsequent auf profitables Wachstum aus und forcierte die Internationalisierung der Gruppe. In der letzten Zeit baute der 61-Jährige vor allem die Präsenz des Handelskonzerns in Osteuropa und Asien aus, was sich auch mit einem deutlichen Umsatzsprung von mehr als 20 Prozent in den Regionen in der Halbjahresbilanz niederschlug.
Körber sei es gelungen, „das früher verschwiegene, lange von den Eigentümern geprägte Handelsunternehmen zu einem kapitalmarktorientierten Konzern umzubauen“, lobte ihn die „FAZ“ einst. (AP)
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