Berlin – Nach dem spektakulären Auftakt mit den Rolling Stones hat die 58. Berlinale am Wochenende deutlich an Schwung verloren: Die Reaktionen auf die Wettbewerbsfilme waren durchweg gespalten. Immerhin sorgten Stars wie Punk-Ikone Patti Smith mit einer musikalischen Einlage während ihrer Pressekonferenz und Stars wie Ben Kingsley für Glanz. Am Nachmittag wurden noch Penélope Cruz und Willem Dafoe erwartet. Til Schweiger erhielt für seinen Kinohit „Keinohrhasen“ den Ernst Lubitsch Preis.
Am Freitag hatte Paul Thomas Andersons für acht Oscars nominierte Epos „There Will Be Blood“ für begeisterte Reaktionen gesorgt. Die Geschichte vom Aufstieg und Fall des Ölmagnaten Daniel Plainview, großartig verkörpert von Oscar-Preisträger Daniel Day-Lewis, wird im Laufe des Wettbewerbs nur schwer zu übertrumpfen sein. Dass dieser überragende Film gleich zu Anfang der Festspiele lief, kann sich nun als Bumerang für den Wettbewerb erweisen, da sich alle Filme an ihm messen lassen müssen.
So zum Beispiel der starke mexikanische Beitrag „Lake Tahoe“: Regisseur Fernando Eimbcke erzählt eindrucksvoll und in ruhigen Bildern die Geschichte des 16-jährigen Juan, dessen Vater kürzlich gestorben ist. Er trifft auf Menschen, die wie er mit Schmerzen erfüllt sind – wenngleich auch aus anderen Gründen. Eimbcke, der vor vier Jahren am Berlinale Talent Campus teilnahm, sagte, der Film sei autobiografisch. „Ich habe diese Erfahrungen selbst gemacht, als mein Vater starb.“ Daher kenne er den großen Schmerz.
Zoncas „Julia“ porträtiert eine Frau (Tilda Swinton), die zwischen Wodka-Konsum und One-Night-Stands langsam die Kontrolle über ihr Leben verliert. Schließlich begeht sie in ihrer Not ein Verbrechen und muss fliehen.
„Gardens Of The Night“ von Damian Harris schildert wenig authentisch das Schicksal zweier Kinder, die über Jahre gefangen gehalten und missbraucht werden. Als sie später frei kommen, müssen sie sich auf der Straße durchschlagen. Der iranische Film „The Song Of Sparrows“ schildert das Leben einer iranischen Familie auf dem Land. „Fireflies In The Garden“, der außer Konkurrenz läuft, hat außer einem Staraufgebot mit Julia Roberts, Emily Watson und Willem Dafoe wenig zu bieten.
Ein Höhepunkt war dagegen der Auftritt von Patti Smith: Am Ende der Pressekonferenz, wo sie ihren Dokumentarfilm „Dream Of Life“ präsentierte, griff sie zur Gitarre und sang unverstärkt das Lied „My Blakean Year“ – eine Hommage an den britischen romantischen Dichter William Blake. Ihr Film läuft allerdings nicht im Wettbewerb. Smith sorgte bei Beantwortung der Fragen für Heiterkeit. So erzählte sie, sie höre auch gerne Opernarien. „Ich singe auch verschiedene Lieder, ob es ein Neil-Young-Song ist oder eine primitive Version einer Puccini-Arie“, sagte Smith. Später fügte sie hinzu, auch gerne Wagner zu hören, etwa Parsifal oder Tristan.
Ben Kingsley hatte am Wochenende gleich zwei Auftritte: Zunächst präsentierte er „Transsiberian“, der in der Sparte Panorama läuft. Angesprochen auf den Film „Gandhi“, mit dem er 1982 seinen internationalen Durchbruch feierte, meinte Kingsley, in jedem Menschen schlummere ein Gandhi. „Es kommt auf die Umstände an, ob er geweckt wird“, sagte der 64-Jährige. Kingsley ist auch in „Elegy“ zu sehen, der am Sonntag Premiere feiern sollte und in dem auch Penélope Cruz mitspielt.
http://www.berlinale.de/ (AP)
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