Aktuelle Nachrichten – Menschen
21.10.2012
Foto: dapd/Clemens Bilan
Berlin – Zwei Wochen nach dem Gewaltexzess vom Alexanderplatz können die Berliner von dem Todesopfer Abschied nehmen. Eine öffentliche Gedenkfeier wird am Sonntag (28. Oktober) im Haus der Begegnung in Charlottenburg ausgerichtet. Unterdessen wird der Ruf nach Konsequenzen lauter. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) forderte eine Ausweitung der Videoüberwachung.
Der 20-Jährige war vor einer Woche von mehreren jungen Männern bewusstlos geprügelt worden und erlag am Montag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Als Todesursache werden nach einer ersten Obduktion Blutungen im Gehirn vermutet.
Bisher gingen 38 Hinweise aus der Bevölkerung ein, wie ein Polizeisprecher am Sonntag auf dapd-Anfrage sagte. Am Freitag war bekannt geworden, dass es erste Spuren gibt, die auf eine Gruppe in dem Lokal Cancun nahe dem Tatort deuten. Medienberichten zufolge soll es sich um Männer mit türkischen Wurzeln handeln.
Es werde weiter mit Hochdruck ermittelt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, auf dapd-Anfrage. Zu Medienberichten, wonach ein Tatverdächtiger bereits namentlich bekannt ist und einige sich ins Ausland abgesetzt haben sollen, wollte er sich aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern.
Die Gedenkfeier wird am kommenden Sonntag von 15.00 bis 18.00 Uhr in der Einrichtung am Fürstenbrunner Weg am S-Bahnhof Westend ausgerichtet, wie die "Berliner Morgenpost" (Sonntagausgabe) berichtete. Trauerfeier und Beisetzung sollen den Angaben zufolge im engsten Familienkreis stattfinden. Die Kosten dafür werden von dem gemeinnützigen Verein "Berliner helfen", der auf eine Initiative der "Berliner Morgenpost" zurückgeht, in Kooperation mit einem Bestattungsunternehmen getragen.
Der Bundesinnenminister plädiert nach der Prügelattacke dafür, bundesweit die Prävention zu verbessern. "Ich halte es für richtig, dass an Plätzen oder Straßen, an denen es auffällig viel Kriminalität gibt, mehr Kameras installiert werden", sagte Friedrich der "Welt am Sonntag". Videokameras seien ein sehr effizientes Mittel, das auf viele abschreckend und präventiv wirke.
Der CSU-Politiker sprach sich zugleich für mehr Präsenz der Polizei aus. Er zeigte sich schockiert über das Verbrechen am Alexanderplatz. Es habe ihn "entsetzt, dass das Opfer offenbar ohne jede menschliche Regung kaltblütig ermordet wurde".
Der Kriminologie Christian Pfeiffer geht noch einen Schritt weiter. Er hält ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum für "empfehlenswert", wie er der "Welt am Sonntag" sagte. Sinnvoll sei zudem der Einsatz von Überwachungskameras an Brennpunkten, insbesondere in den Bahnhöfen und an Haltestellen, sagte der Direktor des Kriminologischen Instituts Niedersachsen.
Der Bürgermeister von Berlin-Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD), schlägt vor, die Fahrscheinpreise um 30 Cent zu erhöhen und das Geld in die Sicherheit zu investieren. Auf diese Weise könne man "die U-Bahn absolut sicher machen und Sicherheitspersonal einstellen", sagte er dem Blatt und griff damit einen Vorschlag von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) auf.
dapd
Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.
Schlagworte
Medienbericht: Mutmaßlicher Schläger vom Alex will sich stellen
(21.11.2012)
Alexanderplatz: Zwei Verdächtige wieder auf der freiem Fuß
(26.10.2012)
Berlins Innensenator unzufrieden mit Freilassung von zwei Verdächtigen
(25.10.2012)
Nach tödlicher Attacke auf 20-Jährigen zwei Verdächtige wieder frei
(25.10.2012)
Alexanderplatz: Berliner Polizei fahndet weiter nach Verdächtigen
(25.10.2012)
Zwei weitere Schläger vom Alexanderplatz festgenommen
(24.10.2012)
19-Jähriger wird nach tödlicher Prügelattacke Haftrichter vorgeführt
(24.10.2012)