Aktuelle Nachrichten – China - Menschenrechte
19.01.2011
Foto: AP Photo / Ibrahim Usta
Geheimprozesse und ungeklärte Schicksale
Im vergangenen Jahr wurden einige Fälle, die im direkten Zusammenhang mit den Unruhen im Juli 2009 standen, veröffentlicht, so z.B.:
Gheyret Niyaz (Webmaster und Verwalter der uigurischen Webseite Uyghur Online): 15 Jahre, verurteilt wegen: Gefährdung der Staatssicherheit
Pezilet Ekber (Studentin): Todesstrafe, verurteilt wegen: Teilnahme an den Unruhen im Juli 2009Dilshat Perhat (Webmaster und Besitzer der uigurischen Internetseite Diyarim): 5 Jahre, verurteilt wegen: Gefährdung der Staatssicherheit
Nureli (Webmaster der uigurischen Webseite Salkin): 3 Jahre, verurteilt wegen: Gefährdung der Staatssicherheit
Nijat Azat (Webmaster der uigurischen Webseite Shabnam): 10 Jahre, verurteilt wegen: Gefährdung der Staatssicherheit
Gulmire Imin (Mitarbeiterin bei der uigurischen Webseite Salkin): lebenslang, verurteilt wegen: Anstiftung der Unruhen vom Juli 2009, Verrat von Staatsgeheimnissen und Organisation einer illegalen Demonstration
Memetjan Abullah (Manager der der uigurischen Webseite Salkin): lebenslang, verurteilt wegen: Mithilfe bei der Anstiftung der Unruhen vom Juli 2009
Tatsächlich hatten diese Personen ausländischen Medien Interviews über die Lage in Ostturkestan gegeben oder sich kritisch über das chinesische Regime geäußert. „Mit solchen Urteilen versucht die chinesische Regierung, das uigurische Volk mundtot zu machen und einzuschüchtern und auf jegliche Form von Opposition abschreckend zu wirken", sagte Rebiya Kadeer, Präsidentin des WUC und langjährige politische Gefangene. „Die internationale Gemeinschaft muss sich für eine unabhängige Untersuchung der Ereignisse vom Juli 2009 einsetzen, was eine Überprüfung aller Gerichtsverfahren einschließt. Die systematische Unterdrückung und Verfolgung der Uiguren in Ostturkestan muss endlich ein Ende haben." Auch Kadeers Sohn ist in Haft. Laut Amnesty International Deutschland wurde Ablikim Abdiriyim im April 2007 wegen der „Anstiftung zu und Beteiligung an separatistischen Aktivitäten" zu neun Jahren Haft verurteilt. Grund war die Verbreitung von Artikeln über das Internet. Seit dem 3. November werde er in Einzelhaft gehalten und gefoltert. Seinen Aussagen zufolge wurde er in die Einzelhaft überführt, nachdem er Zeuge eines Vorfalls wurde, den die Behörden geheim halten wollten.Amnesty Internationals stellvertretende Direktorin für Asien-Pazifik, Catherine Baber, sagte: „Die chinesischen Behörden müssen zeigen, dass die 376 Personen, die 2010 im Zusammenhang mit den Unruhen in der uigurischen Autonomen Region Xinjiang vor Gericht gebracht wurden, faire Verfahren bekommen haben und nicht nur einfach für die Ausübung ihrer Redefreiheit bestraft werden."
Ulrich Delius sagte: „Die meisten Angeklagten würden in Europa straflos bleiben, da die ihnen zur Last gelegten Taten in Rechtsstaaten keine Strafdelikte sind. Doch in Xinjiang genügt es, Informationen über eine Demonstration an Journalisten weiterzugeben, um für Jahre hinter Gittern zu verschwinden. Mit dem weltweiten Krieg gegen den Terror hat dies meist nichts zu tun. Das ist eine Willkürjustiz, mit der Kritiker im eigenen Land mundtot gemacht werden sollen." (red)
Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.
Schlagworte
Freunde Gao Zhishengs verlangen seine Freilassung
(19.01.2011)
Wo Demokratie auf Chinesisch funktioniert
(18.01.2011)
Erstmals Zeugenaussage über Organraub an Uiguren
(31.07.2010)
Warum Urumqi die KP Chinas in Angst versetzt hat
(20.07.2009)