Umwelt – Biberfänger an der Elbe – Annette Schneider-Solis
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Artenschutz gelungen Biberfänger an der Elbe

Annette Schneider-Solis

01.10.2008

Ein Biber hockt in einem Käfig in Steckby, Sachsen-Anhalt. Das an der Elbe gefangene Tiere ist für eine Umsiedlung in die Niederlande bestimmt. Der Bestand hat sich so gut entwickelt, dass die Elbebiber exportiert und anderswo wieder angesiedelt werden. (AP Photo/Eckehard Schulz)
Ein Biber hockt in einem Käfig in Steckby, Sachsen-Anhalt. Das an der Elbe gefangene Tiere ist für eine Umsiedlung in die Niederlande bestimmt. Der Bestand hat sich so gut entwickelt, dass die Elbebiber exportiert und anderswo wieder angesiedelt werden. (AP Photo/Eckehard Schulz)
Auenwälder an der Elbe bei Steckby, Sachsen-Anhalt. Hier ist das Revier des Elbe-Bibers. (AP Photo/Eckehard Schulz)
Auenwälder an der Elbe bei Steckby, Sachsen-Anhalt. Hier ist das Revier des Elbe-Bibers. (AP Photo/Eckehard Schulz)
Ein Biber schwimmt in einem Käfig in Steckby, Sachsen-Anhalt. (AP Photo/Eckehard Schulz)
Ein Biber schwimmt in einem Käfig in Steckby, Sachsen-Anhalt. (AP Photo/Eckehard Schulz)
Peter Ibe, links, und Helmut Maczulat bringen einen Biber in einem Netz zu einer Transportkiste in Steckby, Sachsen-Anhalt. Die beiden Naturschützer wollen in diesem Jahr insgesamt 3 Biberfamilien an der Elbe fangen. (AP Photo/Eckehard Schulz)
Peter Ibe, links, und Helmut Maczulat bringen einen Biber in einem Netz zu einer Transportkiste in Steckby, Sachsen-Anhalt. Die beiden Naturschützer wollen in diesem Jahr insgesamt 3 Biberfamilien an der Elbe fangen. (AP Photo/Eckehard Schulz)

Mühlanger – Bis zum Bauch steht Günter Weißköppel im Wasser. Er breitet das Fangnetz im Wassergraben aus, während sein Kollege Helmut Maczulat von der Referenzstelle Biberschutz im Biosphärenreservat Mittelelbe die Enden mit Pflöcken am Ufer befestigt. Die Experten zeigen auf einen kleinen Damm, wenige Meter vom Netz entfernt. Hier hat „Meister Bockert“ ganze Arbeit geleistet. Das Wasser staut sich, im benachbarten Dorf beklagen die Einwohner überflutete Keller.

Zwar belegen hydrologische Gutachten, dass der Biber nicht schuld daran ist. Trotzdem gehen die Biberfänger in der Nacht auf Pirsch. Sie wollen den vermeintlichen Übeltäter fangen und umsiedeln. Seine neue Heimat wird in den Niederlanden sein. Die Kollegen dort haben drei Tierfamilien angefordert. In Dänemark hat man ebenfalls Interesse an drei Familien bekundet.

Im 19. Jahrhundert galt der Biber in Europa als stark gefährdet. Mitte des 20. Jahrhunderts gab es noch 200 Tiere. Dank eines Wiederansiedlungsprojekts und gezielter Schutzmaßnahmen an Mulde und Elbe wuchs der Bestand seit den 70er Jahren stark an. „In Europa leben heute schätzungsweise 6.000 Tiere, die Hälfte davon an der Elbe“, erzählt Peter Ibe von der Referenzstelle.

Der Bestand hat sich so gut entwickelt, dass die Elbebiber exportiert und anderswo wiederangesiedelt werden. „Vor allem in Holland und in Dänemark, aber auch im Saarland leben heute Biber aus Sachsen-Anhalt“, erzählt Ibe, der von Anfang an das Projekt begleitet. Bereits die DDR hat Biber exportiert, um anderswo neue Populationen aufzubauen. Nachdem der Bedarf erst einmal gedeckt war, geht es in diesem Herbst wieder auf Biberfang.

Ein wenig Glückssache und viel Erfahrung

Wer den Nager erwischen will, braucht vor allem Geduld. Viele Nächte liegen Ibe und seine Mitstreiter vergeblich auf Lauer. Für die Fangaktion in diesem Jahr ist mindestens ein Monat geplant. „Der erste und der letzte Biber sind immer die am schwersten zu Fangenden“, weiß Peter Ibe.

Biberfang ist ein wenig Glückssache und viel Erfahrung. Ibe ist längst anerkannter Experte – 500 Tiere hat er in 35 Jahren bereits gefangen, und obwohl sich die Nager kräftig zur Wehr setzen, ist in all den Jahren noch keines beim Einfangen gestorben. Ist ein Tier ins Netz gegangen, wachen die Biberfänger in der kommenden Nacht erneut. Sie fangen nur komplette Familien, denn Biber leben monogam. Erst wenn sich zwei, drei Nächte in Folge nichts tut und auch keine neuen Biberdämme gebaut werden, ziehen sie weiter zum nächsten Fangort.

Von den Wiesen steigen Nebelschwaden auf, die untergehende Sonne taucht den Himmel in leuchtendes Orange. Noch ein paar Handgriffe, dann sind alle Vorbereitungen getroffen. Jetzt machen sich die Männer bereit für die kalte Nacht, in der sie stundenlang ausharren müssen, ohne sich zu bewegen. Warme Sachen werden übergezogen, Mützen aufgesetzt, heißer Tee aus der Thermoskanne in den Becher gegossen.

Dann ist es dunkel, und die Biberjäger verteilen sich mit Campingstühlen und warmen Decken an die drei Stellen, wo die Netze ausgelegt sind. Die Kälte und der Nebel sind ihre schlimmsten Feinde – Biber sind lautlose Schwimmer, und jedes Licht würde sie warnen. Im Nebel sind sie noch schwerer auszumachen. Wenn dann etwas über die Netze gleitet, müssen die Männer in Sekundenschnelle reagieren. „Da hat man keine Zeit, müde zu werden“, sagt Helmut Maczulat.

In dieser Nacht müssen Peter Ibe und seine Mitstreiter nicht lange warten. Gegen 21.00 Uhr geht ihnen der Biber ins Netz. „Ein Prachtexemplar“, freut sich Peter Ibe. Der Anfang für die Fangaktion in diesem Jahr ist gemacht. (AP)

 

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