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Biosprit?

DAPD

16.04.2008

Frankfurt/Main – Weltbank-Präsident Robert Zoellick macht die wachsende Nachfrage nach Biokraftstoffen für den drastischen Anstieg der Nahrungsmittelpreise mitverantwortlich, der in einzelnen Entwicklungsländern schon zu Unruhen geführt hat. In den folgenden Fragen und Antworten soll ein Überblick über verschiedene Aspekte des Themas gegeben werden:

Was ist Biosprit?

Unter Biosprit versteht man Kraftstoffe, die nicht aus Erdöl, sondern aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden. Man unterscheidet Ethanol, das herkömmlichem Benzin beigemischt wird, und Biodiesel, der Diesel beigemischt wird. Ethanol ist ein Alkohol, der aus stärke- oder zuckerhaltigen Pflanzen wie Getreide (vorwiegend Mais, Weizen oder Roggen) oder Zuckerrohr sowie Zuckerrüben hergestellt wird. Biodiesel wird aus ölhaltigen Pflanzen wie Raps oder Sojabohnen hergestellt.

Wieviel Biosprit wird derzeit verbraucht?

Der Anteil von Biosprit am gesamten Kraftstoffaufkommen beträgt derzeit in Deutschland und auch den USA unter fünf Prozent bezogen auf den Energiegehalt. Trotzdem stieg die weltweite Produktion bereits in den vergangenen Jahren drastisch an: Beim Ethanol allein von 2000 bis 2005 auf das Doppelte, beim Biodiesel sogar auf das Vierfache. Laut der Welthungerhilfe wurden 2007 mehr als 60 Milliarden Liter Biokraftstoffe produziert, 2000 war es erst weniger als 20 Milliarden Liter.

Wieviel soll in Zukunft verbraucht werden?

Die Europäische Union plant jedoch, bis 2020 einen Anteil von 10 Prozent am Gesamtkraftstoffverbrauch über Biokraftstoffe zu decken. Das Ziel der Bundesregierung ist mit 20 Prozent noch deutlich ambitionierter. In den USA sollen es bis 2017 rund 15 Prozent sein. Auch andere Staaten wie China oder Indien wollen den Anteil der auch Agrosprit genannten Kraftstoffe deutlich erhöhen.

Warum setzen viele Staaten auf Biosprit?

Lange Zeit galt der Einsatz von Treibstoff aus nachwachsenden Rohstoffen als umweltfreundlicher als fossile Brennstoffe. Dies ist inzwischen jedoch sehr umstritten. Außerdem verspricht man sich von Biosprit mehr Unabhängigkeit vom Erdöl. Allerdings kann Deutschland allenfalls zehn Prozent seines gesamten Energiebedarfs aus Biomasse decken.

Wo kommt der Biosprit her?

Die derzeit weltweit führenden Staaten in der Produktion von Biokraftstoffen sind für Biodiesel die EU und für Ethanol die USA. Sehr große Mengen an Ethanol werden auch in Brasilien, das seit den 1970er Jahren das Pionierland für Biosprit war, und Argentinien hergestellt. Laut Greenpeace beträgt allein in diesen Gebieten die Anbaufläche rund 23 Millionen Hektar. Würden darauf Nahrungsmittel für eine vegetarische Ernährung angebaut, könnten davon 350 bis 450 Millionen Menschen leben.

Wie wirkt sich die Produktion von Biosprit auf die von Nahrungsmitteln aus?

Je größer die Anbauflächen für Biosprit sind, desto kleiner sind diejenigen für Nahrungsmittel, desto weniger Nahrungsmittel werden auch produziert. Es sei denn die verfügbaren Anbauflächen werden vergrößert, wie etwa durch Rodung von Regenwald oder die Bewirtschaftung von bisher brachliegenden Flächen. Dies wird aber derzeit nicht in großem Umfang praktiziert und ist ökologisch höchst umstritten

Die entsprechend knapper gewordenen Lebensmittel werden teurer. Laut Weltbank sind die Nahrungsmittelpreise seit 2005 um durchschnittlich 83 Prozent gestiegen. Je nach Land sind davon 30 bis 70 Prozent auf die Produktion von Biosprit zurückzuführen.

Die drastisch gestiegenen Preise für Lebensmittel führen zu Problemen vor allem in den ärmeren Ländern, in denen die Menschen 50 bis 70 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben.

Für die zumeist exportorientierte Landwirtschaft dieser Länder können höhere Preise auch eine Chance auf höhere Einnahmen bedeuten. Der nicht mehr auf dem Land lebenden armen Stadtbevölkerung kommt dies allerdings nicht zugute. (AP)

 

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