Umwelt – Bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen – Thomas Rietig
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Elektroauto-Gipfel Bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen

Thomas Rietig

30.04.2010

Berlin (apn) Mit einem großangelegten Elektroauto-Gipfel will die Bundesregierung an die Weltspitze bei umweltfreundlichen Fahrzeugen kommen. Bei dem Spitzentreffen mit Vertretern von Industrie, Politik, Wissenschaft und Gewerkschaften am Montag will Bundeskanzlerin Angela Merkel das Ziel ausgeben, „bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutsche Straßen zu bringen“, wie es in der Einladung heißt.

Zurzeit genießt Deutschland nicht den Ruf, bei Alternativen zum Verbrennungsmotor eine Vorreiterrolle einzunehmen. Neben der Kanzlerin werden sich daher Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, Verkehrsminister Peter Ramsauer, Forschungsministerin Annette Schavan, Umweltstaatssekretärin Ursula Heinen-Esser sowie IG-Metall-Chef Berthold Huber mit hochrangigen Vertretern von Auto- und Energiewirtschaft um neue Dynamik auf diesem Sektor bemühen.

Danach nehmen sieben Arbeitsgruppen die Tätigkeit auf, die bis zum Spätherbst ein erstes Konzept erarbeitet haben sollen, wie dieses Vorhaben möglichst effizient umzusetzen ist. Unter anderem sollen die derzeitigen mehr oder weniger isolierten Modellversuche kanalisiert werden.

Erste Ergebnisse könnten Selbstverpflichtungen im Bereich der Standards und Normung oder Forschungs-Förderprogramme sein, wie Regierungskreise am Freitag in Berlin erklärten. Finanzielle Kaufanreize seien zunächst nicht geplant; denkbar seien aber andere Erleichterungen wie etwa die Freigabe von Busspuren für Elektroautos. Wichtig sei, dass Hersteller und Infrastruktur sich auf einheitliche Schnittstellen wie Ladestecker einigten. Trotz der Hervorhebung der Elektromobilität sei man „technologieoffen“: Auch Wasserstoff- oder Brennstoffzellenantriebe blieben nicht außen vor.

Die Regierungskreise verwiesen darauf, dass emissionsarme Autos bereits jetzt steuerlich gefördert werden. Sie sprachen vom Entstehen einer „völlig neuen Wertschöpfungskette“. Die genaue Definition der Million Fahrzeuge blieb zunächst offen. So seien zum Beispiel auch Linienbusse oder Fahrräder mit elektromotorischer Unterstützung förderwürdig, während beim Straßengüterfernverkehr dem Elektroantrieb nur wenige Chancen eingeräumt werden.

ADAC: Noch lange keine Alternative

Der ADAC sieht im Elektroauto noch lange keine Alternative zum herkömmlichen Fahrzeug. Sparsame Benzinmotoren erzeugten heute weit weniger CO2 als Elektromotoren, sagte ADAC-Präsident Peter Meyer im DAPD-Gespräch. Die Gebrauchseigenschaften von Elektroautos „wie Reichweite, Kosten, Aufladezeit, Platzangebot, Heizung, Kofferraum und so weiter“ seien noch sehr beschränkt.

Die deutschen Autobauer knüpften das Millionen-Ziel indirekt an Subventionen. Es sei „nur mit entsprechenden Rahmenbedingungen erreichbar“, sagte der Präsident der Automobilindustrie, Matthias Wissmann, dem „Handelsblatt“. Daher sollte nach dem Vorbild anderer Staaten eine Kaufprämie eingeführt werden.

Auch Umweltschutzverbände begleiten das Vorhaben mit Skepsis. Sie wollen, dass die Bundesregierung die sparsamsten Autos unabhängig von der Technologie subventioniert. Greenpeace wirft ihr vor, die Strategie nütze einseitig den Auto-, Chemie- und Stromkonzernen.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer warnte vor einer Abhängigkeit der deutschen Autobauer bei Batterien künftiger Elektroautos. Die deutsche Industrie dürfe dieses Feld nicht den Batterieherstellern in Japan, China, Korea und den USA überlassen. Dudenhöffer schätzte das jährliche Marktvolumen für Hightech-Batterien im Jahr 2025 auf weltweit über 130 Milliarden Euro. Nach seinen Prognosen werden 2015 weltweit schon über 4,5 Millionen Elektroautos oder Hybrid-Pkw verkauft. „Nur beim klassischen Billigwagen sind dann noch reine Verbrennungsantriebe vorstellbar“, erklärte Dudenhöffer. (AP)

 

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