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Kinder in Deutschland Bis zu 40 Prozent der Kinder in Ein-Eltern-Familien in Armut

DAPD

26.05.2008

Gezielte finanzielle Hilfe - kann das helfen? (AP Photo/Franka Bruns)
Gezielte finanzielle Hilfe - kann das helfen? (AP Photo/Franka Bruns)

Berlin – Bis zu 40 Prozent der Kinder in Ein-Eltern-Familien leben laut UNICEF in relativer Armut. In dem am Montag in Berlin vorgestellten Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland heißt es, bis heute werde das Wohlergehen von Kindern nicht als zentraler Maßstab für die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft bewertet. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat davor gewarnt, die Kinderarmut zu unterschätzen.

Von der Leyen bezog sich auf einen 60 Seiten umfassenden Bericht, den das Prognos-Institut für das Bundesfamilienministerium erstellt hat. Nach einem Vorabbericht der „Süddeutschen Zeitung“ kommt er zu dem Ergebnis, dass mehr als jedes sechste deutsche Kind in Armut lebt. Gleiches gelte für 30 Prozent der Migrantenkinder sowie fast zwei Drittel der Kinder von Hartz-IV-Empfängern.

Chronische Krankheiten, Übergewicht und Verhaltensauffälligkeiten hätten insbesondere bei benachteiligten Kindern stark zugenommen, wie UNICEF hinzufügte. Die Kluft zwischen den Kindern, die gesund, abgesichert und gefördert aufwachsen und solchen, deren Alltag durch Hoffnungslosigkeit, Mangel und Ausgrenzung geprägt ist, reiße immer weiter auf und habe weitreichende Folgen für ihre ganzes Leben.

Forderung nach gestaffeltem Kindergeld bekräftigt

Familien mit kleinen Einkommen bräuchten gezielte finanzielle Hilfen: Die Ministerin plädierte dazu erneut für ein nach der Kinderzahl gestaffeltes Kindergeld, weil es „verhindert, dass kinderreiche Familien in die Armut rutschen“. „Ein Mindestlohn hilft keiner Familie mit mehreren Kindern“, sagte sie.

Kindergeld leistet nach Expertenaussagen den größten Beitrag zur Armutsbekämpfung: Gäbe es kein Kindergeld, würden demnach zusätzlich etwa 1,7 Millionen Kinder unter die Armutsgrenze rutschen.

Größere Familien mit drei oder mehr Kindern spürten das Kindergeld besonders stark. Ihnen liefere es 15 Prozent des verfügbaren Einkommens. Bei Alleinerziehenden mit zwei Kindern sei dies noch deutlicher. Das Kindergeld entspreche im Schnitt 20 Prozent ihres Einkommens. Allerdings stellt der Bericht auch fest, dass Kindergeld das teuerste familienpolitische Instrument ist: 35 Milliarden Euro gibt der Staat jedes Jahr dafür aus.

Eine deutliche Anhebung des Hartz-IV-Regelsatzes für Kinder forderte der Präsident des Sozialverbands VdK Deutschland, Walter Hirrlinger, angesichts des aktuellen Berichts des Prognos-Instituts zur Kinderarmut. „Der Regelsatz muss um mindestens 20 Prozent, also von 208 auf 250 Euro steigen, damit betroffene Kinder nicht Gefahr laufen, dauerhaft ausgegrenzt zu werden.“

Im nationalen Armutsbericht, dessen Entwurf Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) vor einer Woche vorgestellt hatte, war die Kinderarmut niedriger eingeschätzt worden: Danach ist nur etwa jedes achte Kind in Deutschland von Armut bedroht. Der Arbeitsminister hatte sich bei der Präsentation für einen Mindestlohn ausgesprochen. (AP)

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