Aktuelle Nachrichten – Menschen & Meinungen
25.01.2010
Foto: Ricardo Arduengo/AP Photo
Gonaives/Haiti (apn) Seit Jahrzehnten sind Einwohner von Gonaives in Scharen vor den regelmäßig wiederkehrenden Überflutungen und Erdrutschen nach Port-au-Prince geflohen. Dort wähnten sie sich sicher – bis zu dem verheerenden Erdbeben vom 12. Januar. Jetzt flüchten sie zurück.
In überfüllten Bussen und Autos, auf zerbeulten Kleinlastern und Motorrädern sind schätzungsweise 50.000 bis 100.000 Menschen aus der zerstörten haitischen Hauptstadt in die Gegend zurückgekehrt, die allein in den vergangenen sechs Jahren zwei Mal überschwemmt wurde. Wie lange sie bleiben, weiß keiner.
Maire Delphin Alceus' Tochter Katya war eines der tausenden Todesopfer des Tropensturms „Jeanne“, der 2004 Gonaives und die umliegende Region Artibonite heimsuchte. Die Familie suchte ihr Glück in der Hauptstadt und kam nur noch zu Besuch zurück – 2008 landeten sie dabei mitten in den Wassermassen des Tropensturms „Hanna“ und des Hurrikans „Ike“.
Bei dem Erdbeben vor knapp zwei Wochen wurde Alceus' 26-jähriger Sohn Woodley Saint-Pierre in ihrem Haus in Port-au-Prince erschlagen. Auch ihre Halbschwester starb, von deren Handel mit Kleidung und Parfüm die Familie gelebt hatte. Also gingen sie zurück in den Heimatort.
„In Port-au-Prince zu leben, ist schwer. Nach Gonaives zu gehen, ist auch schwer. Überall ist es schwer. Wenn ich könnte, hätte ich dieses Land längst verlassen und wäre heute woanders. Aber ich habe keine Möglichkeit“, sagt Alceus.
Die rund 300.000 Einwohner zählende Küstenstadt Gonaives, 100 Kilometer nordwestlich von Port-au-Prince, war bei den Unwetterkatastrophen 2004 und 2008 komplett vom Rest des Landes abgeschnitten. Dazwischen lag ein riesiger See, die überflutete Savanne Desolée, in dem auch ein Abschnitt der Landstraße unterging. Es brauchte Tage, bis Hilfe kam. Noch heute, eineinhalb Jahre nach der letzten Flut, ist es ein Katastrophengebiet. (AP)
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