Aktuelle Nachrichten – Medizin
18.07.2012
Foto: Foto: Berhard-Nocht-Institut/dapd
Berlin – Ihre Stiche jucken manchmal wie verrückt, ihr fiependes Summen raubt uns den Schlaf – Mücken gehören zu den lästigsten Plagegeistern des Sommers. Zwar bleibt die Massenvermehrung der kleinen Blutsauger trotz des feuchten Wetters wohl vorerst noch aus, sagen Experten. Doch sollten die Temperaturen steigen, könnte sich das rasch ändern.
"Der viele Regen ist erst mal günstig für die Mücken", sagt Egbert Tannich vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. "Anderseits es ist nicht warm genug für eine massenhafte Vermehrung." Grund zur Entwarnung ist das aber noch nicht. Bei einem Temperatursprung auf 25 oder 30 Grad könnte das anders aussehen, sagt Tannich. Das bislang "eher durchschnittliche Mückenjahr" könnte also durchaus noch eine Hochsaison für Mücken bereithalten.
Kommt es tatsächlich zur Massenplage, dürften vor allem Seenplatten und Moor-Regionen betroffen sein. Solche Gebiete seien ideal für die Tiere, sagt Magnus Wessel, Artenschutz-Experte beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Stechmücken legen ihre Eier in Gewässern ab - je mehr es davon gibt, desto größer ist folglich die Population. Am heftigsten dürfte eine etwaige Explosion der Insektenbrut die Menschen im Oberrhein-Graben treffen. Die Region ist laut Experten mit ihren Überschwemmungsgebieten und den hohen Durchschnittstemperaturen Deutschlands Mückenparadies.
Glaubt man den Prognosen von Fachleuten, müssen sich die Menschen in Deutschland generell auf mehr Mücken einstellen. Die Klimaerwärmung, vor allem aber der zunehmende internationale Reise- und Transportverkehr helfen den Insekten bei der Ausbreitung. Unter Umständen kann das ernst zu nehmende Folgen haben: Exotische Arten könnten hierzulande Fuß fassen und tropische Krankheiten verbreiten, warnen Experten. Malaria und Dengue-Fieber etwa.
Schon jetzt gibt es vermutlich zwei solcher Problemmücken in Deutschland. Der Japanische Buschmoskito habe sich im Raum zwischen Bodensee und Stuttgart inzwischen etabliert, sagt Tannich. Die Asiatische Tigermücke sei zwei Mal im Oberrhein-Graben gefunden worden. Vor allem der gefleckte Zweiflügler bereitet Forschern Sorge: Die Asiatische Tigermücke könne schwerwiegende Krankheiten wie Dengue- und Chikungunya-Fieber übertragen, erklärt Tannich.
In Italien, wo das Insekt schon verbreitet sei, habe es bereits Chikungunya-Ausbrüche gegeben. "Wenn Reisende solche Viren einschleppen, und die passende Mücke in großer Zahl vorkommt, kann es zu solchen Ausbrüchen auch in Deutschland kommen". Tannichs Institut erstellt derzeit eine "Mückenkarte" für Deutschland. Die Forscher wollen herausfinden, welche Arten hierzulande leben und welche Krankheiten die hiesigen Tiere tatsächlich übertragen können.
Auch Wespen haben es 2012 nicht sehr leicht. Zwar habe im Frühjahr gutes Wetter geherrscht, sagt BUND-Experte Wessel. Es sei nicht zu feucht und nicht zu kalt gewesen. Eine Massenplage hält Wessel dennoch für unwahrscheinlich. "In der jetzigen Jahreszeit werden die Tiere zunehmend von Pilzen befallen - und die verbreiten sich bei diesem Wetter besonders gut."
Für die Zecke, den hierzulande wohl meistgefürchteten Blutsauger, könnte es indes ein ertragreicher Sommer werden. Wessel jedenfalls rechnet wegen der vielen Niederschläge mit einem "guten Zeckenjahr". Ob der Klimawandel Auswirkungen auch auf die Population dieser Parasiten hat, sei schwer zu sagen. Die Ausbreitung von Krankheiten, die durch Zecken übertragen würden, habe aber bereits zugenommen. Es gebe etwa Anzeichen, dass sich die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) weiter nach Nordost ausgebreitet habe.
Dass die Sommer-Plagegeister allesamt auch etwa Gutes haben, betonen Experten dagegen immer wieder. "Wespen sind die Gesundheits- und Abfallpolizei in der Natur", sagt Magnus Wessel. Die Insekten fressen vergorenes Obst und fangen Raupen, die für Gärtner und Landwirte zur Plage werden können. Überdies sind sie - wie Mücken und Zecken - wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche Tiere. (dapd)
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