Aktuelle Nachrichten – International
27.04.2012
Foto: Efrem Lukatsky/AP/dapd
Foto: AP Photo/Sergei Chuzavkov
Kiew/Berlin – Sechs Wochen vor Beginn der Fußball-EM und inmitten der Debatte über den Fall Timoschenko erschüttert ein Bombenanschlag die Ukraine. Bei vier Explosionen im Zentrum der östlichen Stadt Dnipropetrowsk wurden am Freitag mindestens 27 Menschen verletzt, darunter neun Schulkinder. Der Vorfall schürt Sorgen über die Sicherheitslage im Land, das vom 8. Juni an Co-Gastgeber der Europameisterschaft ist. Im Fall der erkrankten Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko mahnte Deutschland derweil eine zügige Behandlung an. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) rief die Regierung in Kiew auf, ihr aus diesem Grund eine Ausreise zu gestatten.
Die erste Explosion ereignete sich ukrainischen Angaben zufolge an einer Straßenbahnhaltestelle, die zweite vor einem Kino. Der dritte Sprengsatz detonierte vor einem Bahnhof, eine vierte Explosion wurde ebenfalls im Stadtzentrum gehört. Dnipropetrowsk ist Timoschenkos Geburtsstadt.
Die Behörden in Kiew gingen von einem Terrorakt aus, ein Bekennerschreiben lag zunächst allerdings nicht vor. Die Opposition erhob schwere Vorwürfe gegen Präsident Viktor Janukowitsch: Sie vermutet, die Anschläge könnten von der Regierung initiiert worden sein, um vom Fall Julia Timoschenko abzulenken. Janukowitsch sagte der Nachrichtenagentur Interfax, die besten Ermittler seien mit dem Fall befasst. Die Vorwürfe der Opposition kommentierte sein Büro nicht.
Das Auswärtige Amt verschärfte seine Reisehinweise für die Ukraine und rät Touristen, "besondere Vorsicht walten zu lassen und die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen". Eine Sprecherin sagte auf dapd-Anfrage, die Bundesregierung sei betroffen, die Hintergründe müssten aufgeklärt werden. "Das Auswärtige Amt und die deutsche Botschaft in Kiew beobachten die Lage und weitere Entwicklungen sehr aufmerksam."
Julia Timoschenko sitzt weiter im Gefängnis, befindet sich im Hungerstreik und ist offenbar ernstlich krank. Tochter Eugenia befürchtet eine mögliche Zwangsernährung ihrer Mutter. Ähnlich äußerte sich Timoschenkos im tschechischen Exil lebender Ehemann. Fotos, die zeigten, wie seine Frau in einer Gefängniszelle zusammengeschlagen werde, seien "schockierend und entsetzlich", sagte Oleksandr Timoschenko der Nachrichtenagentur AP. Die ihr dabei zugefügten Verletzungen seien eine "Generalprobe für ihre physische Zerstörung – ein Mord, den die Behörden seit der Repressionen gegen sie auszuführen planen".
Kanzlerin Angela Merkel betonte, die Bundesregierung versuche alles, um Timoschenkos Lage zu verbessern. Die Situation sei sehr ernst, sagte die CDU-Vorsitzende NDR Info. "Wir haben von deutscher Seite aus schon mehrmals Ärzte geschickt und haben sie auch untersuchen lassen", erklärte Merkel. Das Auswärtige Amt und das Kanzleramt seien darum bemüht, Julia Timoschenko eine Behandlung in Deutschland zu ermöglichen.
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