Kultur – Botticellis Todestag in Florenz jährt sich zum 500. Mal – Patricia Czarkowski
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Die Geburt der Venus Botticellis Todestag in Florenz jährt sich zum 500. Mal

Patricia Czarkowski

13.05.2010

Das weibliche Schönheitsidaeal in seinen bekanntesten Bildern „Die Geburt der Venus“ und „Primavera“, die in den Uffizien in Florenz zu sehen sind, gilt als Markenzeichen des Italieners. Foto: Michael Probst/AP Foto
Das weibliche Schönheitsidaeal in seinen bekanntesten Bildern „Die Geburt der Venus“ und „Primavera“, die in den Uffizien in Florenz zu sehen sind, gilt als Markenzeichen des Italieners.

Foto: Michael Probst/AP Foto

Frankfurt/Main (apn) Auch 500 Jahre nach dem Tod des Renaissancekünstlers Sandro Botticellis faszinieren seine Werke die Menschen weltweit. Das weibliche Schönheitsidaeal in seinen bekanntesten Bildern „Die Geburt der Venus“ und „Primavera“, die in den Uffizien in Florenz zu sehen sind, gilt als Markenzeichen des Italieners. Der Künstler, der am 17. Mai 1510 in Florenz starb, wusste sehr genau, wie er malen musste, um unverwechselbare, emotionale und besonders reizvolle Werke zu schaffen.

„Schon in seinen frühen Jahren nutzt Botticelli seine zeichnerischen Fähigkeiten, um den Figuren ein starkes Volumen zu geben, die Umrisslinien werden dabei geradezu dramatisch inszeniert“, beschreibt der Referent für italienische Malerei der Alten Pinakothek in München, Andreas Schumacher, die Bilder des Malers. Schumacher war Kurator der großen Botticelli-Retrospektive, die bis Ende Februar im Frankfurter Museum Städel zu sehen war. Die Schau zog rund 365.000 Besucher an den Main.

„Botticelli setzt sich mit einem eigenwilligen Stil von seinen Konkurrenten in Florenz deutlich ab“, sagt Schumacher. Das war auch erforderlich im Florenz des 15. Jahrhunderts. Damals gab es rund 80 Malereiwerkstätten, die miteinander konkurrierten.

Botticelli wirbt um die Gunst der Familie de' Medici

Die einflussreiche Bankiersfamilie de' Medici beherrschte im 15. und 16. Jahrhundert die Stadt und setzte sich zum Ziel, aus Florenz ein „neues Athen“ zu machen. Botticelli wollte auf sich und seine Kunst aufmerksam machen. Dies gelang ihm um 1470 mit seiner Tugendallegorie, die er für den Palazzo Vecchio malte.

Diese Allegorie war entscheidend für seine Karriere: Die Familie de' Medici fand Gefallen an seinen Werken und gab ihm fortan zahlreiche öffentliche Aufträge. Als Dank porträtierte er unter anderem Mitglieder der Dynastie, wie etwa die Brüder Lorenzo und Guiliano de' Medici. „Botticellis Werke sind aber mehr als nur schöne Schlafzimmerbilder für die Familie de' Medici“, sagt die wissenschaftliche Assistentin des Instituts für Kunstgeschichte an der Universität in München, Urte Krass. „Hinter der vermeintlich glatten Oberfläche und dem Schönheitsideal verbergen sich Energien, Tiefen und Abgründe.“

Ein eigenwilliger Stil beeinflusst die Nachwelt

Botticelli wurde um 1445 in Florenz geboren und in der Werkstatt des Frührenaissance-Malers Filippo Lippi ausgebildet. In seinen frühen Jahren wurde Botticelli von den Werken seines Lehrers als auch denen der Maler Masaccio und Antonio Pollaiuolo beeinflusst. Doch schon bald entwickelte er seinen eigenen Stil.

Einer der Höhepunkte seines Schaffens: Im Jahr 1481 erhielt er zusammen mit anderen Künstlern von Papst Sixtus IV. den Auftrag, die Sixtinische Kappelle in Rom auszustatten. Schumacher bezeichnet Botticellis Stil als „eigenwillig“. Der Italiener habe stets auf große Klarheit und Farbenreichtum gesetzt, der aber immer harmonisch wirke.

„Seine Bilder tragen eine ebenso rätselhafte wie zauberhafte Melancholie in sich“, erklärt der Kunsthistoriker. Botticelli ist es unter anderem mit seinem typischen weiblichen Schönheitsideal gelungen, Markenzeichen zu schaffen, die einen Wiederkennungseffekt mit sich bringen. „Selbst bei Bildnissen, bei denen es um Individualität geht, nutzt er immer wieder typische Merkmale, um einerseits den Porträtierten darzustellen und andererseits keinen Zweifel daran zu lassen, dass es sich um ein Botticelli-Bild handelt“, erklärt Schumacher.

Der Stil des Florentiners beeinflusste noch Jahrhunderte später die Malweise von Künstlern. „Es gab eine starke Botticelli-Rezeption im 19. Jahrhundert“, sagt Krass. So griff etwa die in Großbritannien gegründete Gruppe der Präraffaeliten verschiedene Elemente des Renaissancekünstlers wieder auf. Und noch heute ist die Begeisterung für Botticellis Werke sowohl bei Kunstexperten als auch bei Museumsbesuchern ungebrochen. „Seine Werke sind gut zu fassen: Ihm ist es gelungen, Schönheit mit Rätselhaftigkeit zu verbinden“, fasst Krass zusammen. Bei dieser Mischung werden eben die meisten Menschen schwach. (AP)

 

 

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