Aktuelle Nachrichten – Medizin
29.01.2010
Berlin (apn) Immer mehr Patienten mit Blasenfunktionsstörungen profitieren von der Behandlung mit Botulinumtoxin A. Eine Injektion mit dem von Bakterien gebildeten Nervengift kann Beschwerden wie häufigen und unwillkürlichen Harndrang etwa neun Monate lang bessern. Dabei wird der Wirkstoff während einer Blasenspiegelung direkt in die Harnblase gespritzt.
Vor dem Rückgriff auf das Gift müssen allerdings alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sein, wie die Deutsche Gesellschaft für Urologie betont. „Erst wenn herkömmliche Medikamente, Verhaltenstherapien oder physiotherapeutische Therapien wirkungslos bleiben, kann Botulinumtoxin A angewendet werden“, sagt der Kieler Urologe Christoph Seif. Bisher wird der Wirkstoff in der Urologie off label verwendet, also ohne offizielle Zulassung. Daher müssen die Kassen die rund 1.000 Euro teure Therapie nicht bezahlen.
Botulinumtoxin lindert laut Seif nicht nur Blasenfunktionsstörungen wie Dranginkontinenz und überaktive Blase. Die Substanz kann auch dann helfen, wenn Blasenfunktionsstörungen neurologisch bedingt sind, etwa bei Querschnittlähmung, Parkinson oder Multiple Sklerose.
„Anders als in der Schönheitschirurgie gibt es in der Urologie eine klare medizinische Indikation“, sagt Seif. „Der Wirkstoff schließt die therapeutische Lücke zwischen Medikamentengabe und Operation. Die Behandlung erfolgt unter Vollnarkose oder örtlicher Betäubung an urologischen Kliniken mit dem Schwerpunkt Inkontinenz oder in spezialisierten urologischen Praxen.“ (AP)
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