Gesundheit - Aktuelle Nachrichten, Ratgeber und Berichte – Bremer Untersuchungsaussschuss zu Frühchen-Tod steht vor dem Abschluss – Janet Binder
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Gesundheitssenatorin als letzte Zeugin geladen Bremer Untersuchungsaussschuss zu Frühchen-Tod steht vor dem Abschluss

Janet Binder

16.07.2012

Ein Zimmer für Babys und reife Frühchen. Foto: Nigel Treblin/dapd
Ein Zimmer für Babys und reife Frühchen.

Foto: Nigel Treblin/dapd

Bremen – Mindestens drei Frühchen starben 2011 im Klinikum Bremen-Mitte, rund zwei Dutzend Babys erkrankten an einem gefährlichen Darmkeim. Seit Dezember befasst sich ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss mit dem Hygieneskandal. 84 Zeugen hörten die Mitglieder bislang an, 205 Einzelakten wurden angelegt und 31 Beweisbeschlüsse befasst. Das Gremium ließ Büros im Klinikum durchsuchen und Akten beschlagnahmen. Am Dienstag (17. Juli, 14.00 Uhr) ist mit Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) die letzte Zeugin geladen.

Geklärt werden soll vor allem, ob die Senatorin politisch für den Hygieneskandal am Klinikum Mitte verantwortlich sei, sagte die Ausschuss-Vorsitzende Antje Grotheer am Montag. Unter anderem soll Jürgens-Pieper darüber Auskunft geben, wann sie über den Keimausbruch informiert wurde. Die Senatorin hatte beklagt, vom Gesundheitsamt zu spät über die Vorfälle in Kenntnis gesetzt worden zu sein. Die CDU warf ihr ein "desolates Krisenmanagement" vor. Ihren Hut nehmen musste sie in der Affäre nicht.

Stattdessen hatte Jürgens-Pieper ihrerseits dafür gesorgt, dass der Geschäftsführer des kommunalen Klinikverbundes Gesundheit Nord, Diethelm Hansen, und der Krankenhaushygieniker ihren Job verloren. Zuvor hatte der Chefarzt der Frühchenstation von Hansen die fristlose Kündigung erhalten. Nach einem Gerichtsurteil ist diese aber nichtig.

Ursache für Infektionswelle weiterhin unklar

Die Ursache für den tödlichen Ausbruch des antibiotikaresistenten Darmkeims bleibt unterdessen weiterhin unklar. "Weder die Klinik noch Experten konnten die Ursache liefern", sagte Grotheer. Der Bonner Hygieneexperte Martin Exner hatte ein Dosiergerät für Desinfektionsmittel als mögliche Quelle vermutet – einen Beleg dafür gibt es aber bis heute nicht.

Allerdings sei eine Reihe von Dingen aufgedeckt worden, die die Verbreitung des ESBL-Klebsiella-Bakteriums auf der Frühgeborenenstation begünstigten, sagte Grotheer. Dazu zählen die hygienischen Zustände beim pflegerischen Personal, die teils mangelhaften Arbeiten der Reinigungskräfte und die schlechte Personalausstattung auf der Frühchenstation. "Es gibt aber nicht den einen verantwortlichen Mitarbeiter, der den Keim in sich trägt."

Zudem hätten mehrere Faktoren dazu beigetragen, dass das Hygieneproblem nicht rechtzeitig vom Klinikum erkannt wurde. Ein Grund sei, dass es kein elektronisches Erfassungssystem von Keimvorfällen auf der Frühchenstation gab. Das wurde nach Bekanntwerden der Todesfälle geändert.

Frühchenstation wieder dauerhaft geschlossen

Inzwischen ist die Frühchenstation am Klinikum Mitte aber wieder dauerhaft geschlossen, ebenso wie die Geburtenabteilung. Nachdem zunächst der Frühgeborenenbereich im Januar nach umfangreichen Umbauten und Desinfektionen wiedereröffnet worden war, war der Keim Wochen später überraschend wieder aufgetaucht. Zwei Kinder starben - ob an dem Keim, konnte nicht mehr festgestellt werden. Bei mehreren Kindern wurde der Erreger auf der Haut entdeckt.

Der Untersuchungsausschuss will nach Abschluss seiner Beweisaufnahme Vorschläge unterbreiten, damit sich ein solcher Hygieneskandal in Bremen nicht wiederholt. Erschwert worden sei die Arbeit des parlamentarischen Gremiums durch das erneute Auftreten des Keims 2012. "Normalerweise befasst sich ein Untersuchungsausschuss mit abgeschlossenen Verfahren – wir hatten ein laufendes", betonte Grotheer. (dapd)

 

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