London – Der britische Prinz Harry wird im Mai oder Juni als Soldat in den Irak gehen. Der 22-Jährige werde mit seinem Regiment „Blues and Royals“ nach Basra entsandt, erklärte das Verteidigungsministeriums am Donnerstag in London. Der zweitälteste Sohn von Thronfolger Prinz Charles dient in dem Regiment als Leutnant. Er soll im Irak eine Gruppe von zwölf Soldaten in vier gepanzerten Aufklärungsfahrzeugen befehligen. Prinz Harry wäre das erste Mitglied der Königsfamilie im einem Kampfeinsatz, seit sein Onkel Prinz Andrew 1982 im Falklandkrieg gegen Argentinien kämpfte.
Harry hat stets betont, er wolle nicht anders behandelt werden als andere Soldaten der britischen Streitkräfte. Es komme für ihn nicht in Frage, zu Hause auf seinem Hintern zu sitzen, während seine Kameraden für ihr Land kämpften, sagte er an seinem 21. Geburtstag. „Das mag sehr patriotisch klingen, aber es ist wahr.“ Der heute 22-Jährige hatte im vergangenen Jahr seine Ausbildung an der Königlichen Militärakademie in Sandhurst beendet.
Militärexperten warnten jedoch, die Prominenz des Prinzen könnte nicht nur ihn selbst, sondern auch seine Kameraden zusätzlich gefährden. „In gewissem Sinne könnte seine Berühmtheit ein Faktor sein, der die Sicherheitslage für seine Truppe noch gefährlicher macht“, sagte Michael Clarke, Professor für Kriegsstudien am King's College in London. Für die Aufständischen im Irak sei Harry vermutlich ein besonders attraktives Ziel.
Zugleich betonte er, eine Einsatzsperre für den britischen Prinzen richte vermutlich noch mehr Schaden an. „Wenn er nicht ginge, wäre das sehr schlecht für die Moral der Truppe. Das ist wie eine Familie.“ Der Militärexperte Amyas Godfrey sieht dagegen keine Probleme. „Wegen des Medieninteresses sind zwar zusätzliche Überlegungen notwendig, aber eine Belastung wird das nicht sein“, sagte er. Das Verteidigungsministerium hatte erklärt, Harry werde möglicherweise aus Situationen herausgehalten, in denen seine Gegenwart Kameraden gefährden könnte.
Der Eintritt in die Streitkräfte hat im britischen Königshaus Tradition: Prinz Charles war Pilot der Luftwaffe und der Marine. Auch Prinz Philip, Harrys Großvater, war während des zweiten Weltkrieges Mitglied der Marine. Prinz Andrew schließlich kämpfte als Pilot der Marine gegen Argentinien. Erst am Mittwoch kündigte Premierminister Tony Blair an, die britischen Streitkräfte im Irak in den kommenden Monaten um 1.600 Soldaten zu reduzieren. Bis auf zwei Stützpunkte in Basra sollen dabei alle britischen Militärbasen an irakische Streitkräfte übergeben werden.
(AP)
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