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Pleitebank Britischer Milliardär Branson erwirbt Northern Rock

Robert Barr / AP

17.11.2011

Der Vorstandsvorsitzende der Virgin Group, Richard Branson, 2008 auf einer Konferenz zu Erneuerbarer Energie und Innovation in Lissabon. Die britische Regierung verkauft nach eigenen Angaben die Hypothekenbank Northern Rock. Foto: Armando Franca/AP/dapd
Der Vorstandsvorsitzende der Virgin Group, Richard Branson, 2008 auf einer Konferenz zu Erneuerbarer Energie und Innovation in Lissabon. Die britische Regierung verkauft nach eigenen Angaben die Hypothekenbank Northern Rock.

Foto: Armando Franca/AP/dapd

London – Der britische Milliardär und Abenteurer Richard Branson wird neuer Eigentümer der Hypothekenbank Northern Rock. Die britische Regierung verkauft die Bank nach eigenen Angaben an Bransons Holdinggesellschaft Virgin Money. Northern Rock war das erste Opfer der Kreditkrise 2007/2008 gewesen. Branson machte sich in der Vergangenheit nicht nur als schillernder Musik- und Luftfahrtunternehmer, sondern auch als Ballonfahrer einen Namen: So überquerte er unter anderem als erster den Atlantik sowie den Pazifik mit einem Heißluftballon.

Für Northern Rock bezahlt Virgin 747 Millionen Pfund (873 Millionen Euro), wie das Schatzamt in London am Donnerstag mitteilte. Es gebe aber Bestimmungen, nach denen die Regierung bis zu einer Milliarde Pfund (1,17 Milliarden Euro) erlösen müsse. Weitere 50 Millionen Pfund sollen sechs Monate nach dem Abschluss an die Regierung fließen. Noch einmal 230 Millionen werden fällig, wenn sich das Geschäft in den nächsten fünf Jahren profitabel entwickelt.

Virgin sicherte zu, dass keine weiteren Angestellten von Northern Rock entlassen werden. Auch werde das gesamte Filialnetz für mindestens drei Jahre erhalten.

"Das beste Geschäft für den Steuerzahler"

"Für uns war klar, dass dies das beste Geschäft für den britischen Steuerzahler ist", sagte Schatzkanzler George Osborne. "Wir bekommen mehr Geld zurück als bei jedem anderen Geschäft, das auf dem Tisch liegt." Der Verkauf werde den Wettbewerb im britischen Bankensektor beleben, der von vier großen Banken beherrscht wird.

Virgin-Chef Branson sagte: "Das Bankgeschäft im Vereinigten Königreich braucht frische Ideen und eine Spritze für neuen Wettbewerb. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit der loyalen Belegschaft von Northern Rock, um eine neue Kraft im Markt aufzubauen."

Der Verkauf stieß jedoch auch auf Kritik, da der Verkaufspreis unter der Summe von 1,4 Milliarden Pfund lag, die die britischen Steuerzahler in die Bank investiert hatten. "Ich bin unsicher, ob der Steuerzahler wirklich viel für sein Geld bekommt", sagte der konservative Abgeordnete Mark Field. Oppositionsführer Ed Miliband erklärte, es werde "ernstliche Fragen über das Geschäft (...) geben, vor allem über die Verluste für den Steuerzahler".

Schockierende Szenen während Kreditkrise

Die Bank umfasst 75 Zweigstellen und 2.100 Mitarbeiter. Sie hat eine Million Kunden und Privat-Einlagen von 16 Milliarden Pfund (19 Milliarden Euro). Im Hypothekenbuch stehen 14 Milliarden Pfund (16 Milliarden Euro).

Virgin Money wurde 1995 gegründet und hat etwa drei Millionen Kunden. Der Erwerb von Northern Rock wird finanziert durch ein Konsortium, das Virgin und W.L. Ross & Co, ein Restrukturierungs-Spezialist, anführen.

Während der Refinanzierungskrise von Northern Rock Ende 2007 hatte Großbritannien schockierende Szenen erlebt. Verzweifelte Anleger standen Schlange, um ihr Geld abheben zu können. Die Regierung verstaatlichte die Hypothekenbank im Februar 2008 und garantierte die Sicherheit der Einlagen. Bereits vor der Verstaatlichung hatte Virgin für Northern Rock geboten. Die Regierung lehnte aber ab, weil dies zu riskant und teuer gewesen sei.

Northern Rock hatte sich als kleiner Posten bei den Banken-Rettungen erwiesen. Der britische Steuerzahler hält weiterhin 83 Prozent an der Royal Bank of Scotland und etwa 40 Prozent der Gruppe Lloyds.

Bransons Vermögen auf vier Milliarden Dollar geschätzt

Der Kauf von Northern Rock ist der jüngste Coup Bransons, der unter seiner Marke Virgin bereits Dutzende Unternehmen besitzt. Der heute 61-Jährige hatte sich schon in jungen Jahren als findiger Geschäftsmann erwiesen. Bereits im Alter von 19 Jahren gründete er unter den Namen Virgin seinen ersten Schallplatten-Versand, der rasch zu einer der größten Firmen der Branche wurde und Größen wie die Rolling Stones unter Vertrag nahm. Zahllose Firmengründungen folgten, unter anderem einer Fluggesellschaft und eines Radiosenders. Heute schätzt das "Forbes Magazine" Bransons Vermögen auf vier Milliarden Dollar.

(dapd)

 

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