Aktuelle Nachrichten – Verbraucher
28.10.2008
Berlin – Aus Furcht vor der Finanzkrise legen die Sparer in Deutschland mehr Geld beiseite und achten stärker auf die Sicherheit ihrer Anlagen. Die Sparquote nahm im ersten Halbjahr merklich zu, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag berichtete. Jeder Einwohner sparte im Schnitt 180 Euro monatlich, zehn Euro mehr als 2007. Eine Umfrage der Sparkassen ergab, dass für jeden zweiten Bürger die Anlagesicherheit wichtiger geworden ist.
In Deutschland legten die Haushalte 2007 trotz mäßiger Einkommenszuwächse mit 167,1 Milliarden gut acht Milliarden Euro mehr als im Vorjahr auf die hohe Kante – eine neue Rekordmarke. In den ersten sechs Monaten 2008 kamen noch mal fast 89 Milliarden Euro an Ersparnissen hinzu. Die Sparquote stieg so von 10,5 Prozent im Jahr 2006 über 10,8 Prozent im Jahr 2007 auf aktuell 11,3 Prozent. Die Quote gibt an, welcher Teil des verfügbaren Einkommens gespart wird.
Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, DSGV, Heinrich Haasis, berichtete, viele Menschen dächten nun über ihre Geldanlagen nach. Laut der Blitzumfrage von Mitte Oktober halten 91 Prozent der Befragten die Sicherheit für sehr wichtig oder wichtig – das ist mit Abstand der höchste Wert bei sämtlichen Faktoren, die bei der Geldanlage eine Rolle spielen.
Insgesamt verfügen die Bundesbürger laut dem neuen Vermögensbarometer der Sparkassen über 4,6 Billionen Euro Geldvermögen. Ein Drittel davon, 32 Prozent, sind in Einlagen bei Kreditinstituten angelegt, ein Drittel, 32 Prozent, in Wertpapieren, und etwa ein Viertel 26 Prozent, bei Versicherungen, der Rest in Barreserven und Pensionsrückstellungen.
Nach Haasis' Einschätzung hat sich der Finanzplatz Deutschland trotz der Turbulenzen in den USA und anderen Staaten bislang „ganz gut gehalten“. Dies sei auch auf die solide Sparkultur in Deutschland zurückzuführen. Die Bundesrepublik gehöre mit einer Sparquote von etwas über elf Prozent zur Spitzengruppe in Europa. Die Sparquote in den USA liege dagegen bei nahezu Null liege. „Das bedeutet, dass die Menschen dort zu großen Teilen auf Pump leben“, sagte er.
Ganz anders in Deutschland, wo die Verschuldungsbereitschaft gering ist. So geben die Bundesbürger im Vermögensbarometer an, bei der Erfüllung eines Konsumwunsches in erster Linie auf andere Dinge zu verzichten, 46 Prozent, oder auf finanzielle Reserven zurückzugreifen, 44 Prozent. Weniger als ein Drittel würde sich für einen Konsumwunsch verschulden.
Unter dem Strich haben die Privathaushalte 2007 ihre Verschuldung erneut deutlich zurückgefahren. Insgesamt flossen 18,5 Milliarden Euro an die Gläubiger zurück.
Haasis verwies auf die wachsende Bedeutung privater Vorsorge und der Vermögensbildung und verlangte, langfristiges Sparen besser zu fördern. Die wiederholte Kürzung des Sparerfreibetrags, die Streichung der Eigenheimzulage und der Wegfall der Spekulationsfrist bei Wertpapieranlagen hätten die Möglichkeiten eingeschränkt. Er forderte, den Sparerpauschbetrag – früher Sparerfreibetrag – wieder anzuheben. Dieser wurde von umgerechnet 3.068 Euro im Jahr 1999 auf aktuell 750 Euro gesenkt.
http://www.dsgv.de/ (AP)
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