Aktuelle Nachrichten – Umweltpolitik
20.06.2012
BUND und NABU reichen mit Unterstützung des WWF jetzt eine Klage gegen die Elbvertiefung ein. Die Umweltverbände haben das Aktionsbündnis „Lebendige Tideelbe" gegründet, um sich gemeinsam für eine ökologisch intakte Unterelbe und ihre angrenzenden Lebensräume zu engagieren.
„Eine lebendige Tideelbe ist keine abwegige Utopie, sondern gesetzlicher Auftrag", sagt Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland. Als Beispiel für die biologischen Schäden durch eine Vertiefung, führen BUND, NABU und WWF die Ems an, die von 1984 bis 1995 vier Mal vertieft wurde. Die Gewässergüte wurde im fast gleichen Zeitraum, von 1984 bis 2000, um drei Klassen abgestuft. Jörg-Andreas Krüger, NABU-Fachbereichsleiter Naturschutz und Umweltpolitik, sagt: „Wir befürchten, dass die nächste Elbvertiefung, vergleichbar mit der Entwicklung an der Unterems, das gesamte Flussökosystem zum Kippen bringen wird."
Der Hamburger Hafen plant, seinen Containerumschlag bis zum Jahre 2025 zu verdreifachen. Dafür soll den modernen XXL-Schiffen mit einem Tiefgang von bis zu 14,5 Metern das von der Tide unabhängige Passieren der Elbe durch die siebente Elbvertiefung ermöglicht werden. Von diesen riesigen Schiffen werden immer mehr gebaut, weshalb der Hamburger Hafen die Elbvertiefung auch als notwendig ansieht, um künftig kokurrenzfähig zu bleiben.
Seit drei Jahren wird die Elbvertiefung geplant. Diverse Umweltverbände und Einzelpersonen warnen vor der Zerstörung einzigartiger Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen und vor dem Sauerstoffverlust in der Elbe. Größere Schiffen erzeugen auch mehr Sog und Wellenschlag, was für die Menschen am Strand und Anrainer zunehmend gefährlich wird. Ufer und Deiche werden mehr belastet. Die Fischerei befürchtet den Verlust von Fangplätzen, Rückgang der Fischbestände und mehr Gefahren für Fischer und Materialien.
Die Umweltverbände bemängeln in ihrer Klage gegen die Elbvertiefung Verstöße gegen das europäische Natur- und Gewässerschutzrecht und beklagen unter anderem die vorgeschlagenen Kompensationsmaßnahmen als nicht annähernd ausreichend. Krüger: „Wir gehen vielmehr davon aus, dass die Schädigung des Flusses nicht ausgeglichen werden kann!"
Das Bündnis kritisiert anlässlich der Anhörung zur Elbvertiefung den Umgang Deutschlands mit den europäischen Wasserrahmenrichtlinien insgesamt. Laut Sebastian Schönauer, Sprecher des BUND-Bundesarbeitskreises Wasser, haben bis heute gerade mal 10 Prozent der Flüsse die Zielvorgabe „guter ökologischer Zustand" bzw. „gutes ökologisches Potential" erreicht. (sol)
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