Berlin - Eine wenig erfreuliche Bilanz hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) für das ablaufende Jahr gezogen: «In der Umweltpolitik wurde 2005 viel Zeit verloren», resümierte die Vorsitzende der Organisation, Angelika Zahrnt, am Donnerstag in Berlin. «Klimaerwärmung, Flächenversiegelung und Artensterben gingen ungebremst weiter.» Kritisch bewertete die BUND-Vorsitzende auch, dass es bis zu den Neuwahlen eine lange Zeit des politischen Stillstands gegeben habe.
Bereits jetzt gelte 2005 als das heißeste, stürmischste und trockenste Jahr seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen, erklärte die BUND-Vorsitzende weiter. In den zurückliegenden zwölf Monaten seien weltweit 13 Millionen Hektar Tropenwald vernichtet und rund 20.000 seltene Tier- und Pflanzenarten ausgelöscht worden.
Allein in Deutschland seien in diesem Zeitraum zudem rund 30.000 Hektar Fläche neu versiegelt und über 800 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre entlassen worden. Hinzu kämen EU-weit 400.000 Tonnen Feinstaub aus dem Verkehr und rund eine Million Tonnen gefährlicher Chemikalien, die die Gesundheit der Menschen zusätzlich belastet hätten. Auch das für 2005 anvisierte Ziel, die Kohlendioxidemissionen gegenüber 1990 um 25 Prozent zu reduzieren, habe Deutschland um fast zehn Prozent verfehlt.
Als Lichtblicke bewertete Zahrnt hingegen das In-Kraft-Treten des Kyoto-Klimaschutz-Abkommens und den Start der UN-Initiative zum Schutz des Wassers Anfang 2005. Auch die Sicherung von 125.000 Hektar ehemals militärisch oder von der Braunkohleindustrie genutzter Flächen für den Naturschutz und neue Gesetze zur Hochwasservorsorge und zur Sicherung gentechnikfreier Lebensmittel zählten nach Auffassung der Umweltschützer zu den «wenigen Highlights des Jahres».
Hoffnung setzen die Umweltschützer nun in das stärkere globale Interesse am Klimaschutz, das durch die verheerenden Hurrikans wie «Katrina» und die schweren Überschwemmungen in Europa ausgelöst worden sei.
Die neue Bundesregierung signalisiert nach Ansicht der BUND-Vorsitzenden umweltpolitisch bislang allerdings «leider nichts Gutes». An die Politiker appellierte Zahrnt, die bereits beschlossene Verbesserung der Haltungsbedingungen für Legehennen nicht wieder abzuschaffen und sich für eine tiergerechte Haltung aller landwirtschaftlicher Nutztiere einzusetzen. «Auf keinen Fall dürfen Parteien und Bundesregierung die ökologischen Innovationen vernachlässigen.»
Im kommenden Jahr will der BUND nach eigenen Angaben neben den Themen Gentechnik und Tierhaltung sein Hauptaugenmerk auf die Durchsetzung einer wirksamen Klimaschutzpolitik legen. Weitere Schwerpunkte für 2006 seien die Sicherung der Biotopkette «Grünes Band» entlang der früheren deutsch-deutschen Grenze und der 20. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl. (AP)
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