Konjunktur – Bundesbank tritt Rezessionsängsten entgegen – Joachim Sondermann
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Konjunktur Bundesbank tritt Rezessionsängsten entgegen

Joachim Sondermann

12.08.2008

Frankfurt/Main – Angesichts zahlreicher Anzeichen für eine Abschwächung der Konjunktur ist die Bundesbank Rezessionsängsten entgegengetreten. Angesichts voraussichtlich negativer Wirtschaftszahlen für das zweite Quartal sprach Bundesbankpräsident Axel Weber lediglich von einer „konjunkturellen Durststrecke“. Der Wirtschaftsweise Wolfgang Wiegard dagegen erwartet eine überraschend starke Abschwungphase. Gegensätzliche Ansichten gibt es über die Notwendigkeit eines Konjunkturprogramms.

Die Fachleute nehmen an, dass die Wirtschaft im zweiten Quartal bereits schrumpfte. Uneins sind sie darüber, wie stark die Einbußen ausfielen. Klarheit wird das Statistische Bundesamt bringen, das am Donnerstag die vorläufigen Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) vorlegt.

Weber sagte der „Stuttgarter Zeitung“: „Es gibt keinen Grund, die mittelfristigen Aussichten in so düsteren Farben zu malen, wie es einige der professionellen Auguren nun tun“. Die Abkühlung der Konjunktur im zweiten Quartal komme nicht überraschend, erklärte der Bundesbankchef. Dahinter stecke auch eine technische Gegenreaktion auf den überaus starken Jahresauftakt. Wegen der zusätzlichen Belastungen vor allem durch die hohen Energiepreise könne der Rückgang aber etwas stärker ausfallen als zunächst angenommen, sagte Weber.

Wiegard, Volkswirtschaftsprofessor an der Universität Regensburg und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage, sagte der „Mittelbayerischen Zeitung“, der Bundesrepublik drohe zwar aktuell keine schwere Rezession. Im kommenden Jahr sehe es allerdings düster aus.

Hoffen auf mehr privaten Konsum

Mehrere Ökonomen sagen für das zweite Quartal einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts zwischen 0,6 und 1,6 Prozent voraus. Der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Bert Rürup, erwartet für das Gesamtjahr dennoch ein Wachstum in der Größenordnung von 2 Prozent. Im ersten Quartal 2008 stieg das Bruttoinlandsprodukt so kräftig wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Die Wachstumsrate betrug 1,5 Prozent.

Die Bundesbank erwartet für 2008 unter dem Strich ein Wachstum des BIP von knapp 2 Prozent, für das kommende Jahr rechnet Weber mit einem Plus von 1 Prozent. Die Bundesbank erwarte im Laufe des nächsten Jahres eine Erholung der Konjunktur. Weber setzt dabei auch auf einen stärkeren privaten Konsum. „Hier regiert zu einem gewissen Teil das Prinzip Hoffnung, aber angesichts der zurückgehenden Belastungsfaktoren und des robusten Arbeitsmarkts ist es eine gut begründete Hoffnung“, erklärte Weber.

Uneinig über Konjunkturprogramm

Unterschiedlich sind die Meinungen, ob der Staat zur Förderung der Wirtschaft eingreifen soll. Wiegard lehnte staatliche Konjunkturprogramme ab. Über derartige Planungen beispielsweise des Bundeswirtschaftsministeriums könne man als Ökonom „manchmal nur den Kopf schütteln“, sagte er. Ähnlich äußerte sich Rürup. „Von Konjunkturprogrammen zum gegenwärtigen Zeitpunkt halte ich gar nichts“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Solche Programme müssten zielgenau und befristet sein. „Alles was man beispielsweise aus dem Wirtschaftsministerium hört, ist keines von beidem.“

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers dagegen sprach sich für ein nationales Anti-Rezessionsprogramm aus. Es umfasst die fünf Punkte Steuervereinfachung, Energiepolitik, Nationales Rohstoffkonzept, Finanzmärkte und Maßnahmen gegen Ingenieurmangel.

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger schlug eine Steuerrückzahlung von 125 Euro in Form von Steuerschecks für jeden Bürger vor. „Das wären bei einer vierköpfigen Familie immerhin 500 Euro“, sagte Bofinger dem „Tagesspiegel“. (AP)

 

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