Nachrichten Deutschland – Bundesländer wollen Schweinegrippe-Impfstoff abbestellen – Daniel Rademacher
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Weniger Bedarf Bundesländer wollen Schweinegrippe-Impfstoff abbestellen

Daniel Rademacher

30.12.2009

ARCHIV - Verwendungsfertige Pandemrix-Spritzen liegen am 5. November 2009 in Dresden, Sachsen, auf einem Tisch. Die Bundeslaender wollen laut einem Zeitungsbericht die Haelfte der 50 Millionen bestellten Dosen des Schweinegrippe-Impfstoffs Pandemrix abbestellen.  (AP Photo/Matthias Rietschel)  --- FILE - Syringes with Pandemrix swine flu vaccine lay on a table in Dresden, Germany, Nov. 5, 2009. (AP Photo/Matthias Rietschel)
ARCHIV - Verwendungsfertige Pandemrix-Spritzen liegen am 5. November 2009 in Dresden, Sachsen, auf einem Tisch. Die Bundeslaender wollen laut einem Zeitungsbericht die Haelfte der 50 Millionen bestellten Dosen des Schweinegrippe-Impfstoffs Pandemrix abbestellen. (AP Photo/Matthias Rietschel) --- FILE - Syringes with Pandemrix swine flu vaccine lay on a table in Dresden, Germany, Nov. 5, 2009. (AP Photo/Matthias Rietschel)

Frankfurt/Main (APD) Die Bundesländer werden ihren Schweinegrippe-Impfstoff nicht los und wollen nun die Hälfte der 50 Millionen bestellten Dosen stornieren. Da pro Person eine einmalige Impfung ausreiche, genügten 25 Millionen Dosen, sagte der Staatssekretär im federführenden thüringischen Gesundheitsministerium, Hartmut Schubert, dem „Westfalen-Blatt“. Eine Ministeriumssprecherin bestätigte am Mittwoch auf DAPD-Anfrage, dass es Anfang Januar Gespräche mit dem Hersteller Glaxo-Smith-Kline geben solle.

Das Unternehmen war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Nach Angaben Schuberts hätten die Länder dem Hersteller Glaxo-Smith-Kline ihr Vorhaben bereits mitgeteilt, schreibt die Zeitung. Sie werden demnach am 7. Januar mit dem Unternehmen über die Reduzierung der Liefermengen verhandeln.

Bei der Bestellung von 50 Millionen Impfdosen sei man noch von einer Zweifach-Impfung ausgegangen, somit habe sich die Vertragsgrundlage geändert, zitiert die Zeitung Schubert. Thüringen hat noch bis zum 31. Dezember den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz der Länder.

Bislang haben sich nach Schätzungen des Paul-Ehrlich-Instituts rund sechs Millionen Bundesbürger gegen das H1N1-Virus immunisieren lassen. Anfang Dezember habe die Impfquote zwischen 4,7 und 6,7 Prozent gelegen, hieß es auf DAPD-Anfrage.

Nach jüngsten Angaben des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) wurden in Deutschland bislang 132 Todesfälle in Verbindung mit der Schweinegrippe registriert. Die Gesamtzahl der H1N1-Erkrankungen liegt diesen Angaben zufolge bei rund 210.000. Die meisten Krankheitsfälle wurden bislang in Bayern gezählt (42.052), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (38.011) und Baden-Württemberg (30.756).

Hohe Kosten für die Kommunen

Nach Informationen der „Bild“-Zeitung droht etwa der Stadt Hamburg wegen der großen Menge ungenutzten Impfstoffs ein Verlust von mehreren Millionen Euro. Die Krankenkassen zahlen nur den Impfstoff, der tatsächlich verwendet wurde. In Hamburg ließen sich bislang nur knapp 100.000 Bürger, etwa sechs Prozent der Einwohner, gegen die Schweinegrippe impfen, wie die Zeitung unter Berufung auf den Sprecher der Gesundheitsbehörde, Rico Schmidt, berichtet. In der Behörde lagern demnach noch rund 200.000 Impfdosen, insgesamt seien mehr als eine Million Dosen bestellt worden.

Nach Angaben des „Westfalen-Blatts“ ist es bisher noch nicht gelungen, nicht benötigten Impfstoff an bedürftige Staaten weiterzuverkaufen. Moldawien, Mazedonien, Kosovo, Albanien, die Mongolei und die Ukraine hätten bei der Bundesregierung angefragt. Die Staaten halten aber den von den Ländern geforderten Preis von sieben Euro pro Impfdosis für nicht marktgerecht, wie das „Westfalen-Blatt“ weiter schreibt.

Ein Sprecher des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bestätigte den Bericht. Die Zeitung zitierte die Parlamentarische Staatssekretärin Gudrun Kopp zudem mit den Worten: „Wenn die Länder Impfstoff verkaufen wollen, müssen sie mit dem Preis herunter gehen.“

Krankheit laut WHO noch nicht überwunden

Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Schweinegrippe noch nicht überwunden. Vermutlich sei noch nicht einmal der Höhepunkt der Seuche erreicht, sagte WHO-Generaldirektorin, Margaret Chan, in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der Genfer Zeitung „Le Temps“. Zumindest sei es für eine solche Prognose noch zu früh. Demnach könnten sich im Verlauf dieses Winters noch viele weitere Menschen mit dem H1N1-Virus infizieren.

Erst jüngst hatte Transparency International wegen der Schweinegrippe-Impfung schwere Vorwürfe gegen die Pharmaindustrie erhoben. Die Krankheit sei „katastrophenmäßig aufgebauscht“ worden und habe sich als „Papiertiger entpuppt“, sagte Anke Martiny, Vorstandsmitglied der Anti-Korruptions-Organisation der DAPD. (AP)

 

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