Aktuelle Nachrichten – Erneuerbare Energie
17.07.2007
Hamburg – Nach den Pannenserien in den Kernkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel will Umweltminister Sigmar Gabriel mit den vier großen Stromversorgern über die Restlaufzeiten von Atommeilern reden. Ziel sei es, die älteren, störanfälligen Anlagen früher vom Netz zu nehmen als im Atomkonsens vorgesehen, sagte der SPD-Politiker am Dienstag. Eine Übertragung von modernen auf ältere Meiler schloss er kategorisch aus. Die Energiekonzerne machten dagegen deutlich, dass sie an den alten Kraftwerken festhalten wollen.
Der Umweltminister lud nach eigenen Worten die Konzerne RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall für Ende August zu einem Gespräch ein, in dem es um die Übertragung von Laufzeiten älterer Atomkraftwerke auf jüngere gehen soll. Den umgekehrten Weg schloss er eindeutig aus. „Dem werden wir auf keinen Fall zustimmen“, sagte der SPD-Politiker im bayerischen Murnau. Es sei unsinnig, störanfällige ältere „Gefährdungsmeiler“ länger am Netz zu halten. Im Atomgesetz sei genau das Gegenteil vorgesehen.
Um sich ein Bild vor Ort zu machen, will Gabriel am Donnerstag in Kiel die für Reaktorsicherheit in Schleswig-Holstein zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht treffen.
Die Energiekonzerne stellten Forderungen für ein Gespräch mit dem Bundesumweltminister. „Wir kommen mit eigenem Gesprächsbedarf“, sagte der Unternehmenssprecher von E.ON, Jens Schreiber. Es gehe beispielsweise um die Übertragung von Strommengen in beide Richtungen sowie die Rolle der Kernenergie im Energiemix. RWE will in einem Gespräch die Gestaltung der Energieversorgung angehen. Sprecher Manfred Lang betonte: „Die Sicherheit eines Kraftwerks ist nicht abhängig vom Alter.“ So seien in das Kraftwerk Biblis seit 1999 insgesamt 1,2 Milliarden Euro investiert worden.
Der Lobbyverband Deutsches Atomforum räumte ein, dass die Kernenergie durch die Informationspolitik des Krümmel-Betreibers Vattenfall „politisch einen massiven Dämpfer bekommen“ habe.
Tatsächlich laufen den alternativen Stromversorgungsunternehmen zur Zeit die Kunden zu. Zum Ökostrom-Anbieter „Lichtblick“ wechselten nach Angaben des Unternehmens in den letzten Wochen drei Mal so viele Neukunden wie üblich. Greenpeace Energy verzeichnet vor allem einen Zulauf von Vattenfall-Kunden.
Unterdessen ging in Kiel die Prüfung möglicher Auflagen für das AKW Krümmel weiter. Das Gespräch mit dem Personal werde ausgewertet, erklärte das Sozialministerium. Außerdem würden der schriftliche Zwischenbericht von Vattenfall abgearbeitet. Am Donnerstag will die Sozialministerin dem Landtag ihre Erkenntnisse vorlegen.
Vattenfall kündigte am Dienstag erste Konsequenzen für die Arbeit im Kraftwerksleitstand an. Ein Missverständnis wie das in Krümmel lasse sich verhindern, wenn man jede Anweisung laut wiederhole, sagte ein Unternehmenssprecher. Man wolle solche Kommunikationsregeln im Betriebshandbuch festhalten und habe dies der Atomaufsicht vorgeschlagen. Bei dem Zwischenfall in Krümmel hatte es ein Missverständnis zwischen dem Reaktorfahrer und dem Schichtleiter gegeben.
Außerdem gab Vattenfall eine Mängelliste des Atomkraftwerks Brunsbüttel frei. Das Kieler Sozialministerium könne über die Veröffentlichung der Bewertung aus einer Sicherheitsüberprüfung aus dem Jahr 2001 und eine Offene-Punkte-Liste entscheiden, erklärte das Unternehmen. Die Klage gegen die Bekanntgabe der Ergebnisse werde es zurückziehen. Trauernicht begrüßte diesen Schritt. Bisher hatte sich Vattenfall gegen die Veröffentlichung des 50.000 Seiten langen Dokuments gewehrt. (AP)
Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.
Schlagworte
Kernkraft-Hardliner und Atomgegner-Versteher
(02.04.2011)
Gabriel sieht Atomkraftwerke durch Terror gefährdet
(28.07.2007)
Vattenfall will mit „gläsernen Kraftwerken“ Vertrauen zurückgewinnen
(27.07.2007)
FDP fordert Stilllegung von Akw Krümmel
(14.07.2007)
Staatsanwaltschaft lässt Atomkraftwerk Krümmel durchsuchen
(13.07.2007)
Staatsanwaltschaft lässt Atomkraftwerk Krümmel durchsuchen
(13.07.2007)
Vattenfall sieht AKW Brunsbüttel zu Unrecht in der Kritik
(27.08.2006)