Nachrichten Deutschland – Bundeswehr bekämpft auch in Zukunft Piraten – Vera Fröhlich
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Waffen und Leitern über Bord Bundeswehr bekämpft auch in Zukunft Piraten

Vera Fröhlich

24.06.2010

Dschibuti (apn) Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zeigt sich zufrieden mit der Entscheidung von US-Präsident Barack Obama. Den überaus erfahrenen US-General David Petraeus zum neuen Befehlshaber von 120.000 NATO-Soldaten in Afghanistan zu machen, sei „eine sehr, sehr gute Wahl“, sagt der CSU-Politiker am Mittwoch in Dschibuti. „Ich kenne General Petraeus, ich schätze ihn auch“, fügt der Minister hinzu.

Auch für den Vorgänger von Petraeus, General Stanley McChrystal, findet Guttenberg lobende Worte. Er bezeichnet ihn als „verlässlichen Partner“. McChrystal hatte am Vortag Obama seinen Rücktritt angeboten. Der US-Präsident hat das Angebot angenommen. Auslöser waren despektierliche Äußerungen von McChrystal und seiner Umgebung auch über das Weiße Haus. Diese Kritik war ausgerechnet über die Zeitschrift „Rolling Stone“ öffentlich geworden.

Und so versichert Guttenberg zum Abschluss seines Besuchs bei der Bundeswehr am Horn von Afrika immer wieder auf Fragen von Journalisten, dass der Aufbau in Afghanistan auch unter dem neuen General weitergehen soll. „Ich erwarte keine Infragestellung der beschlossenen Strategie“, betont der Minister.

Waffen und Leitern gehen über Bord

Guttenbergs ureigenes Thema in Dschibuti ist aber die Bekämpfung von Piraten. Sie machen den Golf von Aden – zwischen dem Jemen und dem Norden von Somalia – zu einem der gefährlichsten Gewässer der Welt. Mit der Operation Atalanta, an der die Deutschen seit Dezember 2008 beteiligt sind, will die EU Übergriffe und Geiselnahmen stoppen. Trotzdem seien derzeit 16 Handelsschiffe mit 360 Mann Besatzung in der Hand der Piraten, berichtet Kapitän Nils Brandt, Kommandeur der Fregatte „Schleswig-Holstein“.

Seit Mitte Mai beteiligt sich die Fregatte an der Piratenjagd. Sie löste die Fregatte „Emden“ ab. Von Januar bis Juni habe man 27 potenzielle Piratenschiffe aufgebracht, berichtet Brandt. „Wir müssen sie auf frischer Tat ertappen.“

Doch oft würden Waffen und Enterleitern einfach über Bord geworfen, sobald sich die Piraten entdeckt fühlten, erklärt der Kapitän. „Sie sagen dann, wir sind Menschenschmuggler – da wissen sie, dass wir nichts machen dürfen.“

„Zurzeit keine deutschen Schiffe“

Unter den gekaperten Schiffen seien derzeit ein südkoreanischer Fischer, ein britisches Segler-Ehepaar und Tanker, berichtet Brandt. „Zurzeit sind keine deutschen Schiffe dabei.“ Schnelle Containerschiffe, die mehr als 20 Knoten laufen könnten, würden die Piraten nicht erwischen. Sie wollten keine Menschenleben gefährden, sondern seien auf Beutezug, erklärt der Kapitän. Schiff kapern, Lösegeld fordern, Armut lindern, so gingen die Piraten vor.

Fregattenkapitän Jens von Rauchhaupt trägt mit seinem Seeaufklärer P-3C maßgeblich zur Aufklärung am Golf von Aden und im Seegebiet bis zu den Seychellen bei. Seine Herausforderung ist, dass er derzeit noch sowohl für Atalanta als auch für die Anti-Terror-Operation Enduring Freedom der NATO unterwegs ist. „Wir fliegen unter beiden Mandaten, aber nicht in einem Flug“, erklärt er. Konsequenz: Ist er für OEF unterwegs und sieht Piraten – „dann müssen wir abdrehen.“

Deutsche Beteiligung an OEF endet mit dem Juni

Doch die Doppelfunktion wird bald beendet. Noch drei Flüge für die Anti-Terror-Mission, dann wird diese Task Force am 28. Juni vorzeitig aufgelöst. Ihr Mandat wäre eigentlich noch bis Mitte Dezember gelaufen, aber es ist im Bundestag höchst umstritten. Doch der Kampf der Bundeswehr am Horn von Afrika gegen die Piraten soll weitergehen.

Es spreche wenig dafür, Atalanta im nächsten Jahr zu beenden, bekräftigt auch Verteidigungsminister Guttenberg. Es wäre nach seinen Worten sogar „Unsinn“. Doch das letzte Wort dabei habe der Bundestag. Er muss das Mandat verlängern. (AP)

 

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