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Bundeswehr-Video löst in USA Bestürzung aus

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15.04.2007

Ein Auto fährt durch das Tor der "Feldwebel-Schmid-Kaserne" in Rendsburg. (AP Photo/Heribert Proepper)
Ein Auto fährt durch das Tor der "Feldwebel-Schmid-Kaserne" in Rendsburg. (AP Photo/Heribert Proepper)

New York/Berlin – Politiker in Deutschland und den USA haben bestürzt auf ein Bundeswehr-Video reagiert, in dem Wehrdienstleistende zum Schießen auf „Afroamerikaner“ in der Bronx aufgefordert werden. Der Bürgermeister des New Yorker Stadtteils, Adolfo Carrion, sagte am Wochenende, das damit verbreitete negative Image stimme ihn sehr traurig. Die Bundesregierung müsse hier Aufklärungs- und Erziehungsarbeit leisten.

Von der Bundeswehr verlangte Carrion eine Entschuldigung. Dies sei das Mindeste, was die schwarzen Einwohner der Bronx erwarten könnten. Die Bundeswehr prüft derzeit dienstrechtliche Maßnahmen gegen den Soldaten. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte: „Dieser rassistische Vorfall ist unakzeptabel und widerspricht allen Grundsätzen, nach denen in der Bundeswehr ausgebildet wird.“

Der Grünen-Verteidigungspolitiker Winfried Nachtwei zeigte sich ebenfalls empört und sagte: „Was da deutlich wird, sind Fälle von rassistischem Killertum.“ Der Vorfall sei unvereinbar mit den Werten, denen auch die Bundeswehr verpflichtet sei. „Solche Ausbilder haben eindeutig in der Bundeswehr nichts zu suchen.“

Der Soldat wurde seit dem Vorfall im Juli 2006 aus der Feldwebel-Schmid-Kaserne in Rendsburg an einen anderen Standort versetzt, tut aber weiter regulär seinen Dienst, wie ein Sprecher des Presse- und Informationszentrums der Streitkräftebasis (SKB) sagte. Auf die Frage, ob angesichts der empörten Reaktionen ein Wort des Bedauerns angebracht sei, sagte er: „Die Bundeswehr nimmt den Vorfall sehr ernst und ist an einer zügigen Aufklärung interessiert.“ Er wies darauf hin, dass die internen Ermittlungen bereits eingeleitet waren, bevor das Video öffentlich bekannt wurde.

Die Online-Ausgabe des „Stern“ hatte das rund eineinhalb Minuten lange Video im Internet entdeckt. Darin empfiehlt ein Ausbilder einem Wehrdienstleistenden bei einer Übung im Freien, beim Feuern mit seinem Maschinengewehr an „Afroamerikaner“ zu denken und „Motherfucker“ zu rufen. Der Sprecher sagte, der Vorfall werde Folgen haben, „aber welche, das können wir noch nicht sagen“.

Jürgen Rose, Oberstleutnant und Vorstandsmitglied des Darmstädter Signals, einer Vereinigung kritischer Soldaten, sagte der AP dazu, von einem Einzelfall könne keine Rede sein. „Wir haben seit Beginn der Bundeswehr eine ganze Reihe der so genannten Einzelfälle.“ Er verwies unter anderem auf die Totenschädelbilder aus Afghanistan und die Foltervorfälle in Coesfeld, die zurzeit vor Gericht verhandelt werden. Sein Fazit lautete: „Der Staatsbürger in Uniform hat ausgedient, man braucht anscheinend den 'archaischen Kämpfer'.“

Entsetzen in den USA über Obszönitäten

Der Bürgermeister des Stadtteils Bronx, Carrion, besuchte unlängst Deutschland, um für das touristische Angebot in seinem Stadtteil sowie für Investitionen zu werben. Er bot den deutschen Streitkräften ein klärendes Gespräch an. Offensichtlich hätten die Rekruten in dem Video überhaupt keine Ahnung über die tatsächliche Situation in der Bronx gehabt.

Der Gouverneur von New York, Eliot Spitzer, zeigte sich insbesondere entsetzt über die Obszönitäten, die den vermeintlich zu Erschießenden auf Anweisung des Ausbilders zugerufen wurden. Er sei jedoch sicher, dass dies beim Rekrutentraining der Bundeswehr nicht der Normalfall sei.

Der Bürgerrechtler Al Sharpton forderte US-Präsident George W. Bush auf, den Vorfall gegenüber Deutschland eindeutig zu verurteilen. Es sei empörend, aber auch bezeichnend, dass Schwarze hier einfach zur Zielscheibe gemacht würden. (AP)

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