Aktuelle Nachrichten – Deutschland
27.10.2006
Berlin - Als Konsequenz aus dem Skandal um makabre Fotos hat die Bundeswehr zwei Soldaten vom Dienst suspendiert. Wie das Verteidigungsministerium am Freitag mitteilte, gehören zu den Verdächtigen inzwischen «exakt zehn Personen», die in Afghanistan im Einsatz waren und auf Fotos in teils obszöner Weise mit Totenschädeln posierten. Unterdessen plant die «Bild»-Zeitungen die Veröffentlichung weiterer Skandalfotos aus den Jahren 2003 und 2004.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung gab die Suspendierung der beiden Soldaten bekannt, die auf der ersten Bildserie aus dem Jahre 2003 zu sehen waren. Vier weitere waren bereits vor Bekanntwerden des Skandals aus dem Dienst ausgeschieden. Jung sagte, in Zusammenhang mit der zweiten Fotoserie aus dem Jahre 2004 werde gegen drei weitere Tatverdächtige ermittelt. Jungs Sprecher Thomas Raabe fügte hinzu, einer sei schon vernommen worden.
Der «Bild»-Zeitung liegen nach eigenen Angaben Dutzende weiterer Fotos aus den Jahren 2003 und 2004 vor, die Soldaten mit Leichenteilen zeigen. Zu sehen sei unter anderem, wie ein Soldat einem aus verschiedenen menschlichen Knochen zusammengesetzten Skelett in der Art einer Hinrichtungsszene eine Pistole an den Totenschädel hält. Auf einem anderen Foto sei einem Totenschädel ein Bundeswehr-Barett aufgesetzt worden. Raabe gab zu erkennen, dass er von der neuen Veröffentlichung Kenntnis hat. Er zeigte sich zuversichtlich, dass eine Aufklärung «auch in den nächsten Fällen gelingen wird».
Aus Kreisen des Verteidigungsministeriums hieß es, dass einige Tatverdächtige aus dem Jahr 2003 aus der Kaserne in Mittenwald stammten. Nach ARD-Informationen handelt es sich bei den Soldaten auf den Fotos von 2004 «aller Wahrscheinlichkeit nach» um Soldaten des Panzergrenadier-Bataillons in Bad Segeberg.
Die «Bild»-Zeitung berichtete unter Berufung auf einen Soldaten, dass Bundeswehr-Patrouillen regelmäßig an der Fundstelle der Leichenteile - einer Lehm- und Sandgrube im Süden Kabuls - vorbeigefahren seien und dort angehalten hätten. Raabe sagte, der Knochen-Fundort befinde sich in der Nähe des ISAF-Lagers Camp Warehouse in Kabul. Dies sei auch ein Fundort russischer Panzerwracks.
Jung bekräftigte, wer sich so verhalte, habe in der Bundeswehr keinen Platz. Er betonte auch, die Beteiligten an dem Skandal seien nicht repräsentativ für die mehr als 200.000 Soldaten, die bislang Auslandseinsätze absolviert haben. Die Bundeswehr dürfe durch die Vorfälle nicht generell in Misskredit gezogen werden. Die FDP-Abgeordnete Elke Hoff verlangte, dass die Bundesregierung sich bei der afghanischen Regierung entschuldige. Jung sollte schnellstmöglich nach Kabul reisen, verlangte sie.
Der Minister erklärte, er habe Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan beauftragt, Verbesserungsvorschläge für Ausbildung und Dienstaufsicht vorzulegen. Darüber hinaus solle sich der Beauftragte für Erziehung und Ausbildung nach Afghanistan begeben, um über die Motivation und die Disziplin der Soldaten vor Ort zu berichten. Auch in der Frage der Mitwisserschaft werde ermittelt. Dienstvorgesetzte dürften ein solches Fehlverhalten nicht tolerieren, mahnte Jung.
Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, mahnte allerdings zur Besonnenheit: «Keine noch so gute Ausbildung kann das nachholen, was in Schule und Elternhaus versäumt wurde.» Der SPD-Verteidigungsexperte und Pastor, Jörn Thießen, erklärte die Fotos in N24 mit «großem psychischen Druck», der sich Ventile suche.
(AP)
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