Aktuelle Nachrichten – Panorama
31.10.2010
Foto: Michael Latz/dapd
Berlin – Carolin Reiber ist die einzige Moderatorin im deutschen Fernsehen, die im Rentenalter auf dem Bildschirm geblieben ist. Am 2. November feiert sie ihren 70. Geburtstag. Sie moderiert im Bayerischen Fernsehen die Bürgersendung "Bayerntour", den "Wiesn-Stammtisch" und "Weihnachten mit Carolin Reiber". Als "Königin der Volksmusik" hat sie allerdings vor fünf Jahren abgedankt, weil das ZDF diese Art Show nicht mehr wollte.
Dass die Programmverantwortlichen immer mehr Volksmusik-Shows strichen und schließlich nur noch auf "Specials und Events" beschränken wollten, fand sie nicht richtig. Es wurde ein Abschied im Zorn. Die damals 64-Jährige sagte: "Ich habe 28 Jahre für das ZDF gearbeitet, 25 Jahre davon sehr gerne."
Das waren ungewohnte Töne der Moderatorin mit der unerschütterlich guten Laune. "Sie liebt die Menschen, und die Menschen lieben sie. Sie ist eine Bayerin, wie sie leibt und lebt -f röhlich, offen, wie das Oktoberfest, und sie hat viel Humor", sagte der Musikmanager Hans R. Beierlein der Nachrichtenagentur dapd.
Beierlein hatte in den 70er Jahren den Markt für die Volksmusik aufgebaut und damit Künstlern wie Stefanie Hertel und Stefan Mross, Marianne & Michael, den Zillertaler Schürzenjägern oder dem Naabtal-Duo zu ihren Karrieren verholfen. Carolin Reiber moderierte 17 Jahre lang den "Grand Prix der Volksmusik", der ein Sprungbrett für viele Musiker Beierleins war.
Der 81-Jährige bezeichnet Carolin Reiber als erfolgreichste Fernsehmoderatorin. "Es gab nie jemand, der mehr Sendungen mit mehr Erfolg moderiert hat." Ihre Stärke sieht er in ihrer "großen Menschlichkeit". Sie sei "nicht etepetete", sondern "rustikal, das heißt bayerisch, mit dem Volk verbunden", und sie habe ein großes Herz, "das ist so weit offen, wie es nur sein kann". Beierlein lobt außerdem ihre "Begabung, alles schön zu finden, was schön ist".
Carolin Reiber wurde im Kriegsjahr 1940 in München geboren, hat nach eigenen Worten schon mit drei Jahren ihr erstes Dirndl getragen. Mit zehn Jahren spielte die Tochter eines Szenenbildners ihre erste Filmrolle in "Das doppelte Lottchen". Ihr Berufswunsch aber war Fremdsprachenkorrespondentin; deswegen besuchte sie Internatsschulen in London und Barcelona. Als Faschingsprinzessin von München durfte sie ihre Stadt in den USA repräsentieren.
Reiber arbeitete bis 1965 bei einer Münchner Optikfirma. Nebenbei war sie ab 1959 Fernsehansagerin beim Bayerischen Rundfunk. 1962 heiratete sie den späteren Unternehmensberater Luitpold Maier. "Mein Mann und ich, wir wollten uns was aufbauen, wir haben deswegen jeden Pfennig umgedreht und sogar überlegt, ob wir mit der Straßenbahn fahren oder laufen. Wir sind gelaufen", sagte sie in einem Interview. Als Mutter zweier Söhne arbeitete sie weiter, was damals noch ungewöhnlich war. Der BR setzte sie in einer ganzen Reihe von Fernseh- und Hörfunksendungen ein.
Ihr Durchbruch als Volksmusik-Moderatorin kam 1978 mit der ZDF-Show "Lustige Musikanten", die sie zunächst mit Maxl Graf, später mit Elmar Gunsch präsentierte. Reiber war danach als Moderatorin dauerpräsent auf dem Bildschirm. Sie moderierte unter anderem die "ARD-Fernsehlotterie" und gemeinsam mit Thomas Gottschalk die Vorentscheidung zum Grand Prix de la Chanson (heute Eurovision Song Contest), im ZDF "Broadway Specials" und "Tele As" (mit Peter Rapp) und für kurze Zeit die Quiz-Show "Der große Preis", nachdem Hans-Joachim Kulenkampff als Nachfolger von Wim Thoelke nach wenigen Monaten aufgehört hatte.
17 Jahre lang präsentierte sie die deutsche Vorentscheidung des "Grand Prix der Volksmusik" im ZDF, außerdem "Die volkstümliche Hitparade im ZDF" und die Nachfolgesendung "Wunschkonzert der Volksmusik".
Eine ZDF-Spendengala zum 25-jährigen Bestehen der Umweltorganisation WWF war der Anstoß für Carolin Reiber, sich beim World Wide Fund For Nature für den Naturschutz einzusetzen. Sie engagiert sich auch für kirchliche Hilfsorganisationen. (dapd)
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