Aktuelle Nachrichten – Deutschland
22.01.2007
Berlin – Nach dem Absturz eines tonnenschweren Stahlträgers von der Fassade des Berliner Hauptbahnhofs macht die Bahn Schadenersatz in Millionenhöhe geltend. Das Unternehmen werde „den Verantwortlichen rechtlich und finanziell zur Verantwortung ziehen“, erklärte der für Personenbahnhöfe zuständige Vorstandsvorsitzende Wolf-Dieter Siebert. Nach Sperrungen in der „Kyrill“-Orkannacht und am Sonntag lief der Bahnverkehr am Montag in Berlin wieder normal an. Die Grünen wollen den Vorfall im Bundestag thematisieren.
Siebert erklärte, die Bahn rechne mit einem Schaden in Millionenhöhe. Neben dem materiellen Schaden sei auch ein Imageschaden entstanden. Architekt, Baufirmen, Ingenieurbüros und Statiker müssten viele Fragen beantworten. In der durch das Tief „Kyrill“ verursachten Orkannacht von Donnerstag auf Freitag war der rund eine Milliarde Euro teure Bau komplett geschlossen worden, nachdem ein lediglich aufgelegter Stahlriegel aus der Fassade geweht und abgestürzt war. Am Sonntag hatte es eine erneute Schließung gegeben.
Der baupolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Peter Hettlich, griff das Unternehmen scharf an. Das Krisenmanagement sei unprofessionell gewesen, es habe zu wenig Informationen für die Kunden und keinen Schienenersatzverkehr gegeben. „Dieses Chaos zeigt erneut – die Deutsche Bahn ist Krisensituationen nicht gewachsen.“ Diese Fehlleistungen und die Gebäudesicherheit des Bahnhofs würden seitens der Grünen kommende Woche im Verkehrsausschuss des Bundestages zum Thema gemacht.
Siebert mahnte, bei der Untersuchung des Vorfalls seien vorschnelle Schuldzuweisungen nicht hilfreich. Zuerst müssten die Ergebnisse des Beweissicherungsverfahrens abgewartet werden. Die gerichtlich bestellten unabhängigen Gutachter würden dabei jegliche Unterstützung seitens der Bahn erfahren. „Wir als Bauherr mussten davon ausgehen, dass wir einen ordentlich genehmigten Top-Bahnhof übernehmen, der nach allen Regeln der Technik geplant, genehmigt, gebaut und abgenommen wurde“, sagte Siebert.
Die horizontal angebrachten Stahlträger würden jetzt durch zusätzlich angeschweißte Halterungen gesichert. Ab Montagabend sei keine Schließung des Bahnhofs bei Sturm mehr nötig. Insgesamt sollen die Sicherungsmaßnahmen spätestens Ende der Woche abgeschlossen sein, hieß es weiter.
Die neuerliche Schließung am Sonntag wegen Sturmgefahr hatte wieder für ein Chaos im Schienenverkehr gesorgt. Betroffen von der Sperrung vom frühen Nachmittag bis 20.00 Uhr am Sonntagabend waren sowohl die S-Bahn als auch der Regional- und Fernverkehr in und um Berlin.
Die Bahn liegt mit dem Architekten des im Mai 2006 eröffneten Hauptbahnhofs, Meinhard von Gerkan, bereits wegen eines millionenschweren Urheber-Rechtsstreit um eine Decke in dem Bauwerk vor Gericht im Clinch.
http://www.db.de/
(AP)
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