Caracas/Berlin – Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hat Bundeskanzlerin Angela Merkel unmittelbar vor ihrer einwöchigen Lateinamerika-Reise scharf attackiert und sie in die Nähe Adolf Hitlers gerückt. Merkels CDU gehöre zu „derselben Rechten, die Hitler und den Faschismus unterstützt hat“, sagte Chavez am Sonntag. Die Kanzlerin hatte ihm zuvor das Recht abgesprochen, die Interessen anderer Staaten Südamerikas zu vertreten.
Merkel bricht am Dienstag zu ihrer bisher längsten Auslandsreise als Kanzlerin nach Lateinamerika auf. Innerhalb einer Woche will sie Brasilien, Peru, Kolumbien und Mexiko besuchen. Im Mittelpunkt steht die Teilnahme am EU-Lateinamerika-Gipfel in der peruanischen Hauptstadt Lima am Freitag.
In einem Interview sagte Merkel zu Alleingängen des venezolanischen Präsidenten beim letzten Gipfel in Wien: „Ein Land allein kann die Beziehungen zwischen der EU und Lateinamerika nicht nachhaltig beeinträchtigen.“ Präsident Chavez spreche nicht für Lateinamerika. „Jedes Land hat seine eigene Stimme, mit der sie ihre eigenen Interessen verfolgen“, sagte Merkel laut Bundespresseamt.
Chavez reagierte darauf in seiner sonntäglichen Radio- und Fernsehsendung. Er beschuldigte Merkel, Regierungschefs in Lateinamerika gezielt dazu aufgerufen zu haben, keine engen Verbindungen zu Venezuela zu unterhalten. Anschließend setzte er zu weiteren Attacken an, hielt sich aber dann doch zurück. „Frau Bundeskanzlerin, Sie können ...“, sagte er und fuhr nach einer kurzen Pause fort: „Weil Sie eine Dame sind, werde ich diesen Satz nicht vollenden.“
Chavez stellt sich bereits auf eine Konfrontation mit Merkel auf dem EU-Lateinamerika-Gipfel in Lima ein. Der venezolanische Präsident fragte in seiner Sendung provokativ, ob Merkel ihn dann wohl auffordern würde, den Mund zu halten. Das hatte der spanische König Juan Carlos auf einem Gipfeltreffen in Chile im vergangenen Jahr getan, nachdem Chavez eine Rede des spanischen Regierungschefs Jose Luis Rodriguez Zapatero durch Zwischenrufe gestört hatte. Die Auseinandersetzung hatte erhebliche diplomatische Spannungen zwischen beiden Ländern nach sich gezogen.
Merkel reagierte gelassen auf die Äußerungen Chavez'. Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg verwies auf die vorangegangen Ausführungen der Kanzlerin in dem Interview. Dem sei nichts hinzuzufügen, erklärte Steg und fügte hinzu: „Die Äußerungen von Präsident Chavez sprechen für sich.“
Chavez ist schon öfters wegen spitzer Bemerkungen gegen westliche Politiker aufgefallen, insbesondere gegen US-Präsident George W. Bush. Diesen bezeichnete er in einer Rede vor der UN-Vollversammlung 2006 als „den Teufel“.
Ziel der Merkel-Reise ist die Intensivierung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Lateinamerika. Es ist die erste große Reise eines deutschen Regierungschefs durch den Kontinent seit sechs Jahren. Merkel war allerdings in den 90er Jahren schon einmal als Umweltministerin dort.
Die Kanzlerin wird von einer kleinen, elfköpfigen Unternehmerdelegation begleitet, der überwiegend Mittelständler angehören. Zudem nehmen mehrere Bundestagsabgeordnete an der Reise teil. (AP)
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