Aktuelle Nachrichten – China - Menschenrechte
27.04.2012
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Foto: STR/AFP/Getty Images
Peking – Nach eineinhalb Jahren Hausarrest ist der blinde chinesische Bürgerrechtsaktivist Chen Guangcheng seinen Bewachern entkommen und nach Angaben seiner Unterstützer an einen sicheren Zufluchtsort in Peking gebracht worden.
Freitagnachmittag habe Chen Guangcheng einen "zu 100 Prozent sicheren Ort" erreicht, sagte Bo Fu von der in Texas ansässigen Organisation China Aid Association. Doch die Polizei gehe hart gegen die Verwandten Chens und seine Fluchthelfer vor. "Ich bin jetzt in Freiheit, aber meine Sorgen sind nicht zu Ende", sagte Chen Guangcheng in einem Video.
"Meine Flucht könnte gewaltsame Rache an meiner Familie auslösen", sagte Chen Guangcheng in dem Video. Er verurteilte das Vorgehen der Behörden gegen ihn und seine Familie und forderte Ministerpräsident Wen Jiabao auf, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Aktivisten zufolge umstellten Polizisten am Donnerstag das Anwesen des Bruders von Chen Guangcheng in Dongshigu in der Provinz Shandong und nahmen nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung diesen und den Neffen von Chen Guangcheng fest, die Bezirksverwaltung sagte jedoch, der Neffe sei auf der Flucht und werde wegen tätlichen Angriffs gesucht.
Aktivisten der Verfolgung ausgesetzt
Auch gegen die Helfer von Chen Guangcheng geht die Polizei nach Aktivistenangaben vor. He Peirong, die Chen Guangcheng nach eigenen Angaben aus seinem Haus in Dongshigu weggebracht hatte, sei festgenommen werden. Ein zweiter Aktivist, an den sie Chen Guangcheng übergeben hatte, erklärte am Freitag, auch ihm stehe eine Festnahme unmittelbar bevor, Chen Guangcheng sei aber bereits in Sicherheit.
Die Details der Flucht Chens waren unklar. Offenbar war er bereits Sonntagnacht entkommen, was aber mehrere Tage lang unentdeckt blieb. Unbestätigten Berichten zufolge suchte Chen Guangcheng Zuflucht in der US-Botschaft in Peking oder der Vertretung eines anderen westlichen Landes. Die US-Botschaft lehnte eine Stellungnahme ab. Und auch das chinesische Außenministerium sowie Behördenvertreter im Heimatdorf Chens waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Der Bürgerrechtsanwalt gilt als eine der Schlüsselfiguren der chinesischen Bürgerrechtsbewegung. Er ist seit einer Erkrankung in seiner Kindheit blind und setzte sich gegen Zwangsabtreibungen und -sterilisationen ein. Bis September 2010 verbüßte er deswegen eine vierjährige Haftstrafe, seither stand er ohne rechtliche Grundlage unter Hausarrest. Mehrfach drangen Behördenvertreter in das Haus ein und verprügelten Chen Guangcheng. Sein Schicksal wurde auch im Westen aufmerksam verfolgt. Sollte seine Flucht tatsächlich gelingen, würde das der Bürgerrechtsbewegung Chinas, deren Mitglieder im Lauf des vergangenen Jahres vermehrt in Gewahrsam gekommen waren, neuen Aufschwung geben.
(dapd)
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