Aktuelle Nachrichten – China - Politik
17.03.2008
Peking – Der tibetische Gouverneur hat den Demonstranten in Tibet abermals ein hartes Vorgehen der chinesischen Behörden angedroht. Nur wer sich sich bis Mitternacht am Montag ergebe, könne mit milder Behandlung rechnen, sagte Gouverneur Champa Phuntsok vor Journalisten. Die amtliche Zahl der Toten bei dem antichinesischen Aufstand seit Freitag wurde derweil auf 16 erhöht. Bisher hatte die chinesische Regierung von zehn Toten gesprochen. Nach Angaben von Exil-Tibetern kamen indes bis zu 80 Menschen ums Leben.
Wer sich freiwillig stelle, werde im Rahmen des Gesetzes mit Milde behandelt, sagte Champa Phuntsok, ein Tibeter, der von Peking als Gouverneur eingesetzt wurde. Wer zudem Informationen über Rädelsführer und andere Beteiligte an dem Aufstand preisgebe, könne mit noch mehr Milde rechnen. Allen anderen wurden harte Strafen angedroht. Exil-Tibeter äußerten die Befürchtung, dass es nach Ablauf des Ultimatums zu einer Militäroffensive kommen werde.
Bewohner von Lhasa erklärten, in der Stadt patrouillierten Polizisten, wichtige Straßen seien abgeriegelt. Die Lage sei aber weniger gespannt als am Wochenende. Viele Menschen arbeiteten wieder, einige Schulen seien geöffnet. Die Preise für Lebensmittel und Benzin seien stark gestiegen.
Im Westen Chinas wurden weitere Sicherheitskräfte mobilisiert. Augenzeugen berichteten von einem Truppeneinmarsch in der Provinz Sichuan. Dort war es am Sonntag zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen, bei denen nach unbestätigten Berichten bis zu sieben Menschen getötet wurden. In Maqu in der Provinz Gansu kam es am Montag zu neuen Zusammenstößen zwischen tausenden Demonstranten und der Polizei. Nach Behördenangaben wurden mindestens zehn Polizisten verletzt.
In Tongren in der Provinz Qinghai bezogen Bereitschaftspolizisten Stellung vor einem Kloster. Trotz eines Versammlungsverbots zogen Dutzende Mönche auf einen Hügel, wo sie Räucherwerk anzündeten. Dies sei Ausdruck des gewaltfreien Protests, sagte ein Teilnehmer.
Mehrere ausländische Journalisten wurden aus den tibetischen Teilen der Provinzen Gansu und Qinghai ausgewiesen, unter ihnen auch Reporter der Nachrichtenagentur AP. Die Polizei begründete die Entscheidung mit der Sicherheit der Journalisten.
Auch in Nepal und Indien gab es am Montag Demonstrationen gegen die Fremdbestimmung von Tibet. Dabei kam es in Kathmandu und Neu-Delhi ebenfalls zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen den je etwa 100 Demonstranten und Polizisten. In Kathmandu wurde etwa 30 Personen verletzt, 44 wurden festgenommen.
Russland bekundete unterdessen Unterstützung für das chinesische Vorgehen in Tibet und wies einen möglichen Boykott der Olympischen Sommerspiele in Peking als unannehmbar zurück. Moskau sehe Tibet als eindeutigen Teil Chinas, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Erklärung des russischen Außenministeriums. Die Olympischen Spiele wiederum dürften nicht zum Politikum gemacht werden, hieß es weiter.
Auch die Sportminister der Europäischen Union sprachen sich bei einem Treffen im slowenischen Brdo gegen einen Boykott aus. Sport und Politik sollten getrennt bleiben, erklärte der slowenische Ressortchef Milan Zver. Frühere Boykotts von Olympischen Spielen hätten gezeigt, dass solche Maßnahmen weitgehend wirkungslos blieben.
http://www.savetibet.org/
(AP)
www.tchrd.org/
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