Aktuelle Nachrichten – International
23.05.2008
Pengzhou/China – Im chinesischen Erdbebengebiet stellen 15 unzugänglich verschüttete Strahlungsquellen eine „gewaltige Herausforderung“ dar, eine radioaktive Verseuchung zu verhindern. Das sagte der Umwelt-Vizeminister Wu Xiaoqing am Freitag in Peking. Es trete keine Strahlung aus, alle Atomeinrichtungen im Erdbebengebiet seien sicher, bekräftigte Wu. Er machte keine Angaben darüber, um was für radioaktive Teile es sich handelt.
Wu teilte mit, dass bei dem verheerenden Erdbeben am 12. Mai insgesamt 50 „Strahlungsquellen“ unter Trümmern begraben worden seien. 35 seien geborgen worden, 15 seien geortet, aber bisher nicht erreichbar. Ausländische Experten vermuten, dass es sich um radioaktive Materialien von Krankenhäusern und Forschungseinrichtungen handelt. Noch Anfang der Woche hatte die Regierung mitgeteilt, es seien nur zwei solcher Strahlungsquellen verschüttet worden.
Im Erdbebengebiet konzentrierten sich staatliche Stellen auf die Evakuierung von Landstrichen, die an von Erdrutschen aufgestauten Flüssen liegen. Die Gefahr einer Flutwelle galt weiterhin als groß und würde noch zunehmen, sollte es Regen geben.
Reiche chinesische Provinzen wie Shanghai, Guangdong (Kanton) und Peking müssen die vom Erdbeben zerstörten Gebiete beim Dreijahresplan für den Wiederaufbau unterstützen. Das ordnete die Pekinger Zentralregierung an; in dem auf ihrer Webseite veröffentlichten Beschluss wurde auch gleich aufgelistet, welche Regionen den reichen Provinzen zugeordnet wurden. Die Zahl der Erdbebentoten stieg unterdessen auf fast 56.000, knapp 25.000 Menschen werden noch vermisst. Der Wiederaufbau der zerstörten Gebäude und Straßen werde mindestens drei Jahre dauern, hieß es.
Helfer des Deutschen Roten Kreuzes haben unterdessen im chinesischen Erdbebengebiet mit dem Bau eines Notkrankenhauses begonnen. Errichtet wird das Hospital auf einer abgesperrten Stadtautobahn in Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan. „Der Transport mit Flugzeug und Lastwagen hat prima geklappt, derzeit laden wir die Kisten aus“, sagte DRK-Sprecherin Svenja Koch am Freitag telefonisch der Nachrichtenagentur AP. Dem Team gehören elf Deutsche an – zwei Ärzte sowie Krankenschwestern, Verwaltungsfachleute und Techniker, die chinesische Helfer in ihre Arbeit einweisen sollen.
Die deutschen Rotkreuz-Helfer gehen davon aus, dass ihr Krankenhaus schon an diesem Wochenende, spätestens aber bis Montag startklar sein wird. Der Einsatz ist zunächst auf sechs Wochen angelegt.
Bei dem jüngsten Erdbeben in China hat der 60-jährige Alatanbagen Taoqi zum zweiten Mal in seinem Leben unglaubliches Glück gehabt: Als einziger überlebte er bei dem Beben vom 12. Mai den Einsturz eines Bürogebäudes in der Provinz Sichuan. Bereits 1976 war er bei einem Erdbeben verschüttet und nach zehn Tagen gerettet worden, berichtete die Zeitung „The Nanjing Morning Post“. Das Beben vor mehr als 30 Jahren war noch folgenschwerer als das jetzige, damals kamen mindestens 240.000 Menschen ums Leben. (AP)
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