Wie die Nachrichtenagentur Associated Press heute berichtet, sollen bei neuen Zusammenstößen zwischen tibetischen Demonstranten und der Polizei in der westchinesischen Provinz Sichuan mindestens zwei Menschen getötet worden sein. Tibetischen Aktivisten zufolge wurden ein buddhistischer Mönch getötet und ein weiterer schwer verwundet. Nach Angaben der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur erfährt die Welt, dass ein chinesischer Polizist gestorben sei und weitere Polizisten verletzt wären.
Die Unruhen begannen am Montag mit einem friedlichen Protestzug von Mönchen und Nonnen in Garze, der überwiegend von Tibetern bewohnten Präfektur der Provinz Sichuan. Nach Angaben des Tibetischen Zentrums für Menschenrechte und Demokratie im indischen Dharamsala kam es beim Zerstreuen des friedlichen Protests durch bewaffnete Polizisten zur Gewalt.
Die Unruhen in der Himalaya-Region sind eine der größten Herausforderungen für die rotkommunistische Führung Chinas seit Jahrzehnten. In Sichuan leben viele Tibeter. Dort kam es nach Beginn der Proteste in der tibetischen Hauptstadt Lhasa am 10. März wiederholt zu heftigen Ausschreitungen wegen der anhaltenden brutalen Besatzung Tibets durch China und der ganz im Sinne der "Kulturrevolution" durchgeführten Zerstörung der tibetischen Kultur. Bestzung bedeutet im Konkreten, dass in der tibetischen Hauptstadt Lhasa heute auf einen Tibeter fünf Chinesen kommen, die ihre Kultur überstülpen.
Chinesische Behörden haben die offizielle Zahl der Toten mit bislang 22 angegeben. Die tibetische Exilregierung stellte indessen eine Bilanz von rund 140 Toten ins Internet. In einer Pressemitteilung werden die Namen von 40 Tibetern genannt, die seit Beginn der Unruhen ums Leben gekommen sein sollen. Ferner wird auf die Schwierigkeit hingewiesen, an zusätzliche Informationen zu gelangen. Gleichwohl heißt es dann weiter, insgesamt seien etwa 140 Tibeter getötet worden.
Auch in Nepal gab es trotz scharfer Kritik der Vereinten Nationen eine erneute gewaltsame Niederschlagung von Protesten der Exiltibeter, wie die ARD berichtete. In der Hauptstadt Kathmandu soll die Polizei mit Schlagstöcken gegen die Demonstranten vorgegangen sein. Rund 100 Menschen sollen festgenommen, in Polizeifahrzeuge gezerrt und in verschiedene Strafanstalten gebracht worden sein. Gestern sollen nach Angaben der ARD bereits mehr als 400 Menschen inhaftiert worden sein. Die heutige Aktion fand vor dem Visabüro der chinesischen Botschaft statt. (AP/sfr)
Chinesische Polizei holt Leichname aus tibetischen Häusern
(24.03.2008)
China erklärt Unruhen für eingedämmt
(23.03.2008)
Bundesregierung verschärft Ton gegenüber China
(21.03.2008)
China verstärkt Truppen in Sichuan
(20.03.2008)
China - Kadertreue und Machterhalt
(23.10.2007)