China: „Gold ist teuer, aber Jade ist von unschätzbarem Wert“

Ein chinesisches Sprichwort besagt: „Gold ist teuer, aber Jade ist von unschätzbarem Wert." Mit anderen Worten gesagt - Gold ist mit Reichtum gleichzusetzen, aber Jade verkörpert etwas, was man mit allem Gold und Geld der Welt nicht kaufen kann.

Für die stolze Summe von 630.000 Euro kamen kleine Stücke weißer Jade in Irland unter den Hammer. Ein aus der chinesischen Qing-Dynastie stammende Siegel mit einem sich abhebenden geschnitzten Drachen ist nicht größer als eine Streichholzschachtel und hielt die Preiserwartungen der Auktionatoren unter 6.000 Euro.  Allerdings sprachen chinesische Bieter, die morgens schon in dem kleinen Städtchen Durrow ankamen, von einer möglichen Überraschung.

Das Drachensiegel, das aus einer Privatsammlung in Paris stammt, eröffnete mit einem Startgebot von 2.000 Euro, aber schon bald kam es zu einem unerbittlichen Wettstreit zwischen zwei Bietern aus China – der eine bot per Telefon aus Peking, der andere über das Internet aus der Stadt Jingdezhen. Nach zwanzig Minuten fiel der Hammer für den anonymen Bieter aus Jingdezhen.

Das weiße Jadesiegel in Form eines Drachens brach den Rekord um mehr als das Doppelte, was jemals für ein antikes asiatisches Kunstwerk bei einer Auktion in Irland gezahlt wurde, berichtet die Irish Times.

Aber was macht Jade nun so besonders, dass es die Chinesen teilweise für wertvoller als Gold betrachten?

Ein chinesisches Sprichwort besagt: „Gold ist teuer, aber Jade ist von unschätzbarem Wert.“ Mit anderen Worten gesagt – Gold ist mit Reichtum gleichzusetzen, aber Jade verkörpert etwas, was man mit allem Gold und Geld der Welt nicht kaufen kann.

Wenn wir zuerst auf die materiellen Fakten schauen, sehen wir, dass der Jadepreis in China in den letzten Jahren enorm angestiegen ist. Während die sehr reine weiße Hetian-Jade in den späten Siebzigerjahren noch 100 Yuan per Kilogramm kostete, liegt der aktuelle Preis bei über einer Million Yuan (etwa 123.000,- Euro) für dieselbe Menge. Der Jadeit aus Myanmar ist allerdings im Preis noch zehn- bis hundertfach höher als die in China vorkommende weiße Jade.

„Jade als solches gibt es überhaupt nicht, sondern es ist der Oberbegriff für die beiden Minerale Jadeit und Nephrit“, sagt Mineraloge René Köhler. „Beide Mineralien unterscheiden sich leicht in Aussehen, Härte und Bearbeitungseigenschaften und je nach Gebiet verwenden die einen Jadeit und die anderen eben Nephrit zur Weiterverarbeitung, beide gelten aber gleichwertig als Jade“ – in China als zhen yu, als „echte Jade“.

Für Geologen war Jade lange Zeit ein Mysterium. Da er nur in Flüssen und Steinen gefunden wurde, blieb sein wirklicher Ursprung oft ein Rätsel und selbst heute gibt es nur wenige Vorkommen, wo er auch tatsächlich entstanden ist.

Vielleicht ist das der Grund, warum Jade in China schon seit der Steinzeit ein so hoch begehrtes Mineral ist. In seiner langen Kunst- und Kulturgeschichte hatte er als „königlicher Edelstein“ schon immer eine ganz besondere Bedeutung.

Jade gilt bei den Chinesen traditionell als Symbol für hohe Moral. Seine Härte symbolisiert Weisheit und einen starken Willen, seine Reinheit symbolisiert Aufrichtigkeit und Schlichtheit.

Als Sinnbild für das Gute, Schöne und Kostbare wurde er zur Herstellung verschiedenster Kultfiguren und Kunstgegenstände verwendet, ebenso als Grabbeigabe für hochrangige Mitglieder des Kaiserhauses.

Jade als Medium zwischen der irdischen und der überirdischen Sphäre

Im frühesten chinesischen Wörterbuch „Shuo Wen Jie Zi“ heißt es: „Jade, der schönste aller Steine, verkörpert die fünf Tugenden.“ Mit den fünf Tugenden sind Weisheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Bescheidenheit und Mut gemeint, sie gelten im alten China auch als die fünf Haupttugenden.

Schon sehr früh wurde im Königreich der Jade, wie China auch genannt wird, das Mineral als ein Medium zwischen der irdischen und der überirdischen Sphäre angesehen.

Jade sollte es den Menschen ermöglichen, mit den Göttern in Kontakt zu treten. Er galt als Symbol für Lebenskraft und nach moderner Heilsteinkunde soll er Gelassenheit und das innere Gleichgewicht fördern. Jade soll zum Lachen verhelfen und damit zu mehr Lebenslust und Vitalität.

„Heute spielt Jade nicht mehr die traditionelle Rolle wie im alten China“, sagt eine in Deutschland arbeitende Chinesin, „aber Jade ist den Chinesen immer noch hoch heilig.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben eine gesundheitliche Wirkung in mancherlei Hinsicht bewiesen. So sind heutzutage in China neben der Vielfalt an Jadeschmuck auch Produkte zur Gesundheitspflege auf dem Markt, wie z.B. Jadekissen oder Jadematten.“

Aber was hat denn nun der Jadekaiser mit der Jade zu tun?

Der Jadekaiser gewann vor allem im 11. Jahrhundert in der Song-Dynastie an Bedeutung, zahlreiche Tempel und Paläste wurden in dieser Zeit für ihn erbaut. Er wird oft mit kaiserlichen Drachengewändern dargestellt und gilt als einer der San-qing, der Drei Reinen, die die drei reinen Himmel bewohnen.

Im Taoismus wird der Jadekaiser als Hauptgott verehrt. Er gilt als höchstes Prinzip des Himmels und alle folgenden chinesischen Kaiser sahen sich als Sohn Yu Dis (Sohn des Himmels).

Dieses höchste Prinzip des Himmels (Shang Di) wird also als allerhöchste Gottheit betrachtet, der Ur-Himmelsherr, der Schöpfer von allem was ist. Könnte es somit nicht auch sein, dass die höchsten Tugenden von Weisheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Bescheidenheit und Mut diese Ur-Schöpferkraft hier auf Erden darstellen?

Zieht man in Betracht, dass jeder Kaiser von China als ein irdischer Sohn des Jadekaisers gilt, dann liegt der Schluss nahe, dass jeder chinesische Kaiser ein vom Himmel gesandter Botschafter der höchsten Tugenden ist – und damit gleichfalls als  ein Symbol für hohe Moral gelten muss.

Siehe auch:

Chinas amüsante Legende, wie 12 Tiere zu Sternzeichen wurden

Shen Yun: „Wunderbar wie aus Tausendundeiner Nacht“