Abkehr vom Kommunismus? Chinas Staatschef promotet Konfuzius – Regieren mit Moral

Konfuzius statt Kommunismus – Das Volk durch Strafen zu regieren, sei nicht optimal, betonte Konfuzius. Viel besser sei es, mit Moral zu regieren. Chinas Staatschef Xi Jinping verordnete den 250 Mitgliedern der Zentralen Politkommission einen Vortrag über konfuzianischen Patriotismus.

Professor Chen Lai von der Tsinghua Universität in Pekinghielt im Dezember einen Vortrag vor den 250 mächtigsten Menschen Chinas. Thema: Wie man sein Land liebt und diesem dient. Das Seminar handelte vom Patriotismus der chinesischen Nation und dessen Geschichte.

Frieden, Offenheit und Gewaltverzicht kennzeichneten laut dem Professor Chinas Patriotismus in alten Zeiten. Staatchef Xi Jinping lobte im Anschluss den Vortrag und betonte, um chinesischen Patriotismus heutzutage zu leben, müsse man die eigene Kultur und Geschichte respektieren und deren Botschafter sein.

Wer ist Professor Chen?

Professor Chen leitet ein berühmtes Institut zur Erforschung der Traditionellen Kultur Chinas, das erst 2009 an der Pekinger Tsinghua Uni wiedereröffnet wurde, nachdem es in der Kulturrevolution geschlossen worden war. Zuvor hatte es 80 Jahre lang unter einigen bekannten Persönlichkeiten bestanden.

Warum Xi ausgerechnet diesen Experten einlud, beleuchtete Wu Zuolai, ein heute in den USA tätiger Kunsthistoriker, im Interview mit EPOCH TIMES.

Wu sagt, dass die Xi-Regierung das moderne China nun „durch einige traditionelle Methoden“ zu regieren plane. Zum Beispiel mangele es derzeit sehr an traditioneller Erziehung zur Moral.

Im heutigen China rede man nicht mehr von Aufrichtigkeit, moralischen Schranken und Rechtsstaatlichkeit, weshalb es innerhalb der KP lauter korrupte Beamte und Funktionäre gebe – auch das Justizsystem sei deshalb marode.

Noch dazu sei das KP-System ein fremdes, aus Europa importiertes System. Die Ideologie des Kommunismus und Marxismus sei in China schon zerbrochen und keiner glaube mehr an sie, weshalb die traditionelle Kultur als Leitkultur die einzig tragfähige sei.

Xi wolle mit seiner Rückbesinnung auf alte Werte den Moralverfall auffangen, an dem die KP Schuld ist.

Konfuzius-Interview schon im Juli

Sein Auftritt vor den Regierenden war nicht das erste Mal, dass Professor Chen als Lehrmeister in Erscheinung trat: Ende Juli veröffentlichte die Disziplinar-Kontrollabteilung bereits ein exklusives Interview mit ihm. Darin erklärte er, wie man den Konfuzianismus politisch und für Regierungszwecke nutzen könne.

Konfuzius appellierte stets für eine Verbesserung der Moral – sowohl als Grundlage eines harmonischen Zusammenlebens in der gesamten Gesellschaft, als auch bei den Regierenden.

Das Volk durch Strafen zu regieren, sei nicht optimal, wie Konfuzius betonte. Viel besser sei es, mit Moral zu regieren. Das heutige China könnte laut Chen eine praktische Kombination aus beidem wählen und Konfuzianismus und Rechtsstaatlichkeit kombinieren.

Chen sagte, dass heutzutage viele Probleme – inklusive der Korruption – hauptsächlich daran liegen, dass die traditionelle Kultur ignoriert würde. Chinas traditionelle Kultur besaß ein eigenes Aufsichtssystem zur Kontrolle der Machthaber, und das Beamtensystem war das langlebigste und stabilste der Weltgeschichte. Davon sollte man lernen.

Trendwende Richtung Demokratisierung

Fazit: Chen sagte auf einer Staatswebsite Dinge, die früher in der Öffentlich verboten waren – für Chinesen hoch interessant. Da die Disziplinar-Abteilung den Auftrag hat, die KP zu kontrollieren, zeigt das Interview, dass das Regime keinen anderen Weg sieht, als zur traditionellen Kultur zurückzukehren.

In Chinas Medienlandschaft ist ein deutlicher Trend ablesbar: Dass immer mehr Experten und Meinungsträger ähnlich reden, zeigt einen nahenden politischen Wandel. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit werden immer deutlicher gefordert, das System als diktatorisch kritisiert: Man müsse die Macht des Systems beschränken und transformieren, so die Stimmen.