China: Gerät die größte Armee der Welt außer Kontrolle?

  Nach einer offiziellen Statistik aus dem Jahr 2010 verfügt China über 2,3 Millionen reguläre Soldaten. Damit ist die „Volksbefreiungsarmee“ von der Truppenstärke her die größte Armee der Welt. Die …

 

Nach einer offiziellen Statistik aus dem Jahr 2010 verfügt China über 2,3 Millionen reguläre Soldaten. Damit ist die „Volksbefreiungsarmee“ von der Truppenstärke her die größte Armee der Welt. Die Anzahl der Soldaten allein sagt aber nichts darüber aus, ob diese Armee die stärkste ist. Das Militär in China leidet unter massiver Korruption, beteiligt sich an Schmuggelgeschäften, verübte ein Attentat auf seinen damaligen Oberbefehlshaber, den Staatpräsidenten Hu Jintao, und ist sogar in massive Menschenrechtsverletzungen wie Organraub verwickelt. Die Recherchen der chinesischensprachigen Epoch Times, Dajiyuan, deuten daraufhin, dass die größte Armee der Welt außer Kontrolle gerät. Angesichts der angespannten Lage in Nordkorea keine beruhigenden Nachrichten.
Nach Berichten von Radio Free Asia (RFA) am 29. Januar habe Mark Pyman, ein Verantwortlicher bei der Nichtregierungsorganisation Transparency International (TI) bei einem Interview geäußert, dass die Korruption im chinesischen Verteidigungsapparat sehr ernst sei. Das Militär in China besitze einige Unternehmen, in denen die Korruption sehr verbreitet sei.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Schmuggelgeschäfte und Mord
[–]
Einige Unternehmen des Militärs haben sich möglicherweise über die Korruption hinaus an Schmuggelgeschäften beteiligt. Nach Berichten der Dajiyuan hat der ehemalige Premierminister Zhu Rongji im Jahr 1998 auf einer Sitzung verkündet, dass das Militär an Schmuggelgeschäften in Höhe von 500 Milliarden Yuan pro Jahr (etwa 60 Milliarden Euro) beteiligt sei. Aus finanziellen Interessen seien sogar interne Auseinandersetzungen möglich. Dajiyuan zitierte Insiderinformationen, dass im Jahr 1999 innerhalb von 20 Tagen mehrere hundert Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Truppenteilen vorgekommen seien. Die reguläre Armee kämpft nicht nur untereinander, sie wagt es auch, Polizisten und Zollbeamte zu töten, die ihren Schmuggelgeschäften in die Quere kommen. Nach Berichten der Dajiyuan habe der ehemalige Premierminister Zhu Rongji gesagt, dass die Volksbefreiungsarmee allein in der ersten Jahreshälfte von 1998 450 Polizisten und Beamte erschossen und über 2200 Menschen verletzt habe.
Trotz Mord und Totschlag scheint die Volksbefreiungsarmee während der Amtszeit von Zhu noch in einem vergleichsweise guten Zustand gewesen zu sein. Nach Berichten von Dajiyuan soll die Marine im Jahr 2006 sogar ein Attentat auf ihren damaligen Oberbefehlshaber, den Staatpräsidenten Hu Jintao, verübt haben. Die Korruption der Armee sei hauptsächlich ab der Amtszeit des ehemaligen Staatspräsidenten Jiang Zemin verbreitet, der sie duldete. Trotz der Machtübergabe an seinen Nachfolger Hu seien viele Offiziere Anhänger von Jiang geblieben. Hu und Jiang gehören zu zwei feindseligen Fraktionen innerhalb der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Der damalige General der Marine Zhang Dingfa habe im Jahr 2006 auf Befehl von Jiang das Kriegsschiff von Hu beschossen, während sich dieser auf einer Marineinspektion im Gelben Meer befand. Fünf Soldaten seien dabei gestorben. Das Kriegsschiff, auf dem sich Hu Jintao befand, konnte dennoch flüchten. Später hieß es in den amtlichen Medien in China, dass der Marinegeneral Zhang Dingfa in Peking infolge einer Krankheit gestorben sei.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Keine Hilfe für Erdbebenopfer
[–]
Das Attentat auf den Oberbefehlshaber ist vielleicht nur die Spitze eines Eisbergs. Die Armee in China scheint schon lange außer Kontrolle geraten zu sein. Nach Berichten der Dajiyuan konnte der Premierminister Wen Jiabao im Jahr 2008 die Armee nicht dazu bringen, schnell im Erdbebengebiet von Wenchuan Hilfe zu leisten. Aus Verzweiflung habe er den Offizieren der Luftwaffe gesagt, dass das Volk sie ernähre und dass sie nach ihrem Gewissen handeln sollen. Die Luftwaffe habe die Bitte des Premierministers mit der Begründung abgelehnt, dass es zu stark regne. Daher seien innerhalb von 42 Stunden nur etwa eintausend Soldaten in das Erdbebengebiet gekommen. Dies sei viel weniger gewesen als die Hilfe, die innerhalb von 36 Stunden von der Bevölkerung der Provinzen Zhejiang und Jiangsu gekommen sei.
Die Volksbefreiungsarmee scheint nicht nur kein Interesse für den Dienst am Volk zu haben, sondern beteiligt sich an massiven Menschenrechtsverletzungen wie Organraub. Der ehemalige Parteichef Jiang Zemin hat im Jahr 1999 begonnen, Falun Gong, eine friedliche buddhistische Kultivierungsschule, zu verfolgen. Die Zunahme der Organtransplantationen fällt mit dem Beginn der Verfolgung zusammen. Nanfang Daily berichtete im März 2010, dass es ab dem Jahr 2000 einen sprunghaften Anstieg der Anzahl transplantierter Organe gegeben habe. Allein die Anzahl der Lebertransplantationen sei in diesem Jahr um das zehnfache gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Bis zum Jahr 2005 stieg diese Anzahl noch einmal um den Faktor drei.  Dajiyuan zitierte Informationen der „World Organization to Investigate the Persecution of Falun Gong“, denen zufolge in den meisten Militärkrankenhäusern in China ungewöhnlich viele Organtransplantationen durchgeführt worden seien. Allein im Jahr 2005 seien es sogar über 20.000 Leber-Transplantationen gewesen.