Gao Zhisheng durfte im Gefängnis kurzen Besuch empfangen

Es ist länger als ein Jahr her, dass der Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng in dem abgelegenen Gefängnis Shaya in der Provinz Xinjiang inhaftiert wurde und erst kürzlich durfte ihn seine Familie …

Es ist länger als ein Jahr her, dass der Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng in dem abgelegenen Gefängnis Shaya in der Provinz Xinjiang inhaftiert wurde und erst kürzlich durfte ihn seine Familie ein zweites Mal sehen. Seit März 2012 hatte sie ihn nicht besuchen dürfen. Familie heißt in diesem Fall: sein jüngerer Bruder und sein Schwiegervater.

Gao, auch unter dem Namen „Chinas Gewissen“ bekannt, wurde seit 2005 immer wieder verhaftet, schikaniert und gefoltert, seitdem er die Verteidigung verfolgter Falun Gong-Anhänger (Falun Gong ist eine traditionelle spirituelle Disziplin) und anderer vom Regime ins Visier genommener Gruppen übernommen hatte.
Am 18. Januar berichtete Gaos ältester Bruder dem Sender „Sound of Hope“, dass er lange Zeit versucht hatte, seinen inhaftierten Bruder zu besuchen, aber erst als er damit gedroht hatte, in Peking Beschwerde einzulegen, gaben die Behörden ihm die Erlaubnis, seinen Bruder im Gefängnis zu besuchen.
Gaos Frau Geng He, die seit ihrer Flucht aus China im Jahre 2009 mit ihren Kindern in den Vereinigten Staaten lebt, gibt an, dass die chinesischen kommunistischen Behörden sich fürchten, ihre Familie würde die Situation ihres Ehemannes bei der internationalen Gemeinschaft offenlegen, falls sie ihn besuchen könnten.
Sein jüngerer Bruder und sein Schwiegervater unternahmen eine lange Reise in das weit abgelegene Gefängnis, um ihn zu besuchen.
Der Besuch wurde auf eine halbe Stunde beschränkt und fand unter strenger Beobachtung und Kontrolle statt.
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Während des kurzen Treffens konnte sich Gao nur danach erkundigen, ob es seiner Familie gut ginge. Die einzigen Worte für seine Frau, war die Bitte, die Kinder gut zu erziehen und sich um ihn nicht zu große Sorgen zu machen.
Geng teilte „Radio Free Asia“ mit, dass es der Familie vor dieser Besuchserlaubnis verboten wurde, Fragen zu Gaos Behandlung zu stellen. Eine Nichtbeachtung dieser Vorschrift würde zu einer sofortigen Beendigung des Besuchs führen.
Während des Treffens fragte Gaos Bruder, ob er Zeitungen lesen oder fernsehen könne. Er wurde abrupt unterbrochen, bevor Gao antworten konnte. Ein Wachmann sagte dann, dass Gao keine Erlaubnis dazu habe.

Geng teilte dem „Radio Free Asia“ mit, dass die Familie große Anstrengungen unternommen hätte, um eine Chance zu bekommen Gao zu besuchen. Die Reise zu dem Gefängnis in der weit entfernten Gegend von Xinjiang sei hart und man brauche ungefähr 10 Tage. Der wichtigste Aspekt bei dem Treffen bestand darin, die Gewissheit zu bekommen, dass Gao noch lebt.
Das „Sound of Hope“ Radio befragte mehrere bekannte chinesische Menschenrechtsaktivisten nach diesem kurzen Besuch im Gefängnis.
Hu Jia, ein bekannter Menschenrechtsaktivist aus Peking, erklärte, dass Gao Zhisheng während der vergangenen acht Jahre ununterbrochen unter der brutalen Folter der chinesischen kommunistischen Behörden gelitten habe.
Hu sagte, dass Gao an einem Ort gefangen gehalten werde, der von den uigurischen Bewohnern als „Terrorgefängnis“ bezeichnet werde.
Hu erklärte: „Das Böse der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) wird durch das Zentrale Propaganda System und durch das Komitee für Politik und Recht System realisiert. Gleichgültig ob es sich um die Zensoren im Internet oder bei den Medien handelt oder ob es um politische oder örtliche Kontrolleure geht, die Antragsteller blockieren – das Böse wird durch diese unterschiedlichen Individuen realisiert. Wenn wir also mit diesen bösen Menschen konfrontiert werden, so müssen wir eines verstehen: es ist das Böse des Systems, das Böse der KPCh.“
Hu Jia hat selber drei Jahre lang die Qualen der Haft in chinesischen Gefängnissen erlebt. Er wurde 2011 entlassen. 2008 wurde ihm in Abwesenheit der Sacharow-Menschenrechtspreis für Meinungsfreiheit vom EU-Parlament verliehen.
Nach Aussagen des Menschenrechtsanwalts Tang Lingling aus Guangzhou, der mit der Verfolgung von Gefangenen aus Gewissensgründen vertraut ist, hat Gao höchstwahrscheinlich unter „strengster Kontrolle“ und unter Folter gelitten.
Tang fügte hinzu, dass „strengste Kontrolle“, wie sie von den Wachabenden angewendet wird, sehr grausam ist. Das Opfer darf mit niemandem sprechen oder befindet sich in Einzelhaft in einer kleinen Zelle, manchmal sogar in einem Käfig oder kleinem Raum, in dem man nicht aufrecht stehen oder sich hinlegen kann. Nach einer gewissen Zeit ringt man mit dem Tode.
Editor’s note:
Als Chongqings ehemaliger Polizeichef Wang Lijun am 6. Februar 2012 in das Konsulat der Vereinigten Staaten in Chengdu floh, um seine Leben zu retten, löste er einen politischen Sturm aus, der bis heute nicht abflaut. Der Kampf hinter den Kulissen geht immer mehr um die Frage, welchen Standpunkt die Funktionäre bezüglich der Verfolgung von Falun Gong einnehmen. Die Fraktion mit den blutigen Händen – nämlich die Funktionäre, die vom ehemaligen Parteichef Jiang Zemin befördert wurden, um die Verfolgung durchzuführen – sucht nach Wegen, um der Verantwortlichkeit für ihre Verbrechen aus dem Wege zu gehen und will ihre Kampagne weiterführen. Andere Funktionäre weigern sich, an der Verfolgung weiter teilzunehmen. Die Ereignisse verlangen von den Funktionären und Bürgern Chinas ebenso wie von den Menschen auf der ganzen Welt eine klare Entscheidung: für oder gegen die Verfolgung von Falun Gong.
In der Geschichte wird die Entscheidung jeder einzelnen Person bewahrt werden.
Artikel auf Englisch: Gao Zhisheng Allowed Family Visit in Remote Prison