Chinas Geldmangel: „Finanzkrise kurz vor dem Ausbruch“

„Die Krise auf Chinas Kapitalmarkt ist viel schlimmer, als bisher angenommen“, schreibt der bekannte chinesische Immobilienexperte Niu Dao in seinem neuesten Blog-Beitrag. In den Bereichen Börse, Immobilienmarkt und Wechselkurs des Renminbi (Yuan) werde der Finanzmarkt bald zusammenbrechen, prophezeite Niu – und gab Einschätzungen ab, wie das Szenario aussehen könnte.

Börse auf Talfahrt
Niu reagierte mit seinem Artikel vom 21. Januar auf zwei aktuelle Ereignisse, die für Chinas Finanzmarkt alarmierendes Signal hatten: Am Montag, dem 20. Januar fiel der Index der Shanghaier Börse, der SSE Composite Index, unter 2000 Punkte – eine psychologische Grenze. Die 1991,25 Punkte vom Montag waren der niedrigste Wert seit Juni 2013, als die erste akute Geldmangelwelle den chinesischen Finanzmarkt traf.
Gleichzeitig kam es am 20. Januar zu einer neuen Welle von Geldmangel und die Zinsen für Zwischenbankenkredite stiegen auf den höchsten Stand seit 7 Monaten: Der Zins für einen Tag stieg auf 3,8 Prozent, der bankeninterne Zins für sieben Tage erreichte 6,33 Prozent.
Geldmangel wird akut
Um den Geldmangel der Banken kurzfristig zu beheben, pumpte Chinas Zentralbank mit Hilfe des Kreditwerkzeugs SLF viel Geld in den Markt: Am 20. Januar flossen 120 Milliarden Yuan. Am 21. Januar kamen anderem Weg noch einmal 255 Milliarden Yuan dazu.
Nui Dao kommentierte die Ereignisse am 21. Januar: „Weil der Geldmangel immer größer geworden ist, leiht man sich neue Kredite, um alte Schulden zurückzuzahlen, die wiederum den Mangel vergrößern. Die Geldspritzen der Zentralbank verlieren an Effekt und die Rettungsmaßnahmen können die Krise nicht mehr beheben.“
Niu rechnete vor: „Wenn man im Jahr 2008 einen Yuan investierte, konnten dafür 1,4 Yuan Bruttoinlandsprodukt (BIP) erzeugt werden. Investierte man im Jahr 2013 einen Yuan, bekam man nur noch 0,5 Yuan an BIP.“
Chinas BIP-Wachstum wurde künstlich durch Investitionen getrieben. „Die Methode der Zentralbank, die Wirtschaft durch Gelddrucken am Laufen zu halten, funktioniert schon seit 2009 nicht mehr“, so Niu. „Die chinesische Wirtschaft ist bereits in eine Sackgasse geraten aus der es keinen Ausweg gibt.“
Auch externes Finanzklima kritisch
Doch sind dies lediglich Chinas interne Finanzprobleme: Das externe Finanzklima kommt erschwehrend hinzu, weil immer weniger Geld aus dem Ausland nach China fließt. Dass die US-Notenbank angekündigt hat, ihren monatlichen Anleihenkauf um 10 Milliarden US-Dollar reduzieren zu wollen, macht Niu besonders viel Sorgen. Seiner Meinung nach wird dieser Schritt der USA bewirken, dass noch mehr US-Dollar aus China flüchten. Niu rechnet mit 576 Milliarden Yuan, die China aus diesem Grund verlassen werden. Das endgültige Verbluten des chinesischen Finanzmarkts und der Ausbruch einer Finanzkrise in China werden seiner Ansicht nach zwingend folgen.
Wenn die Börse weiter verliert …

Niu kam zum Schluss, dass die chinesische Börse im Jahr 2014 noch weitere psychologische Untergrenzen durchbrechen wird. Nach den 2000 Punkten kommt die 1664-Punkte-Marke. Ihren Schlusspunkt würde die chinesische Börse bei einem Stand von 998 Punkten erreicht haben, der den totalen Kollaps markiert. Wann dies der Fall sein könnte, schrieb Niu jedoch nicht.
Für den Immobilienmarkt rechnet Niu mit einem weiterem Preisverfall. Zwischen Juni 2015 und September 2016 wird hier vorraussichtlich der niedrigste Punkt erreicht werden und die Luft vollständig aus der Immobilienblase entwichen sein.
Dazu kommt noch ein Wertverlust des Yuan, der derzeit im Verhältnis von 6:1 zum US-Dollar rangiert. In einem früheren Blogbeitrag hatte Nie bereits die Abwertung des Yuan auf bis zu 20 Yuan pro 1 US-Dollar prophezeit, allerdings ohne Zeitangabe.